TA wird eine Baustelle

26. Juni 2006, 13:47
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Mit dem Umbau in eine Holding mit Festnetz- und Mobilfunk-Tochter beginnt Mobilkom-Chef Boris Nemsic sein Leben als Generaldirektor

Wien - Für Neo-General Boris Nemsic und die Telekom Austria (TA) ist die Zeit des Feierns vorbei - und die der Arbeit angebrochen. Die erste große Aufgabe, die er sich mit seinem Vize Rudolf Fischer und Finanzvorstand Stefano Colombo gestellt hat, ist eine architektonische: Der Umbau von Österreichs größtem Telekomkonzern in eine Holding mit zwei operativen Gesellschaften für Mobilfunk und Festnetz.

Schlanke Holding

Zu diesem Zweck wird die bestehende börsennotierte Telekom Austria AG in eine schlanke Management-Holding umgewandelt, die über das Geld verfügt, das investiert wird, Konzernkommunikation und Investor Relations ausführt. Das Festnetz wird samt Internet (Aon), Technik, Personal, Anlagen, Marketing und Subgesellschaften von der TA abgespalten und künftig als Aktiengesellschaft geführt.

Vorausgesetzt, der Aufsichtsrat stimmt dem Vorhaben am 12. Juni zu, wovon auszugehen ist, denn die Mobilkom mit ihren Tochtergesellschaften in Slowenien (Si.mobil), Kroatien (VIPnet), Liechtenstein und Bulgarien (Mobiltel) ist bereits seit 1996 eine AG. "Es könnte auch eine GmbH sein, das ist eigentlich egal", sagte Fischer in einer Pressekonferenz am Freitag. Allerdings hat der kontrollierende TA-Aktionär, die Staatsholding ÖIAG, von einer GmbH mit Durchgriffsrecht längst Abstand genommen (DER STANDARD berichtete am 16. März). Fischer wäre dann Vorstandsmitglied (Holding) und Geschäftsführer (Festnetz) in einer Person gewesen, während Nemsic zweimal Generaldirektor (Holding und Mobilkom) ist, was im Sinne der Gleichberechtigung, auf die Nemsic und Fischer mehrfach hinwiesen, eine Schieflage bedeuten würde.

Synergien überschaubar

Ein Unterschied bleibt vorerst bestehen: Die Mobilkom-Führung besteht künftig aus den drei Vorständen Nemsic, Hannes Ametsreiter (Marketing, Vertrieb) und Alfred Gattringer (Finanzen), der Festnetz-Vorstand nur aus zwei. Neben Fischer ist als Finanzvorstand Gernot Schieszler im Gespräch, er ist derzeit Prokurist der TA. Dafür verzichtet Nemsic auf die Berufung von A1-Cheffunker Hans Pichler zum Technik-Vorstand der Mobilkom.

Die Aktionäre dürfen dem Umbau erst im Mai 2007, also im Nachhinein, zustimmen.

Welche Synergien mit der neuen TA-Struktur gehoben werden sollen, konnten Nemsic und Fischer nicht beziffern. Da Marketing und Vertrieb getrennt bleiben und nur die Technik besser abgestimmt werden soll, dürften diese aber überschaubar sein.

Erster Ausfluss der verbesserten Zusammenarbeit: Kombi-Angebote für mobiles und Festnetz-Breitbandinternet zum Kampfpreis. Aon-Anschluss und A1-Datenkarte gibt es ab Montag befristet bis 31. August ohne Aon- und A1-Aktivierungsentgelt (je 167 Euro) um 29,90 Euro pro Monat.

Speziell für die Wiener gibt es Aon-pur und drei A1-Handys um 39,90 Euro Kombi-Grundentgelt pro Monat. Dafür wird ein Mindestumsatz in Höhe des Grundentgelts verrechnet. Der Wermutstropfen: Man darf bei der Anmeldung keinen TA-Telefonanschluss haben. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.5.2006)

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    Noch genießen Telekom-General Boris Nemsic und sein Stellvertreter Rudi Fischer (rechts) die traute Zweisamkeit.

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