Westenthaler steigert für BZÖ Chancen

9. Juni 2006, 12:28
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In der Bundeskanzler-Direktwahl würde der BZÖ-Spitzenkandiat Westenthaler nur von jedem 25. Wähler die Stimme erhalten

In der Bundeskanzler-Direktwahl würde der BZÖ-Spitzenkandiat Westenthaler nur von jedem 25. Wähler die Stimme erhalten - aber immerhin liegt er besser als FPÖ-Chef Strache.

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Linz - Könnte der österreichische Bundeskanzler direkt gewählt werden, hätte Wolfgang Schüssel doppelt so viele Stimmen (33 Prozent) wie sein Herausforderer Alfred Gusenbauer (16 Prozent). Auffallend ist allerdings, was sich im hintersten Spektrum tut: Dort ist seit Beginn der Woche fix, dass Peter Westenthaler für das BZÖ als Spitzenkandidat ins Rennen geht.

Immerhin vier Prozent sagen bei einer market-Umfrage für den Standard schon in der ersten Woche, dass sie Westenthaler bei einer Direktwahl die Stimme geben würden. Für Heinz-Christian Strache, der die FPÖ in den Wahlkampf führen wird, spricht sich nur jeder hundertste Befragte aus.

Grünen-Chef Alexander Van der Bellen käme in dieser Umfrage auf zwölf Prozent, was nur halb so viel ist, wie der Professor zu seiner besten Zeit an Direktstimmen hätte verbuchen können: Im Frühjahr 2001 hatten 24 Prozent gesagt, sie würden Van der Bellen als Kanzler wählen wollen.

Allerdings ist auch die Zustimmung zu den Spitzen der Großparteien deutlich niedriger als zu deren besten Zeiten, als Wolfgang Schüssel (nach dem Wahlsieg 2002 und vor Bildung der neuerlichen kleinen Koalition) 53 Prozent der Österreicher hinter sich hatte.

Höherer Chancen

Eine weitere Frage in der market-Umfrage für den STANDARD lautete: "Das BZÖ hat in den letzten Tagen Peter Westenthaler als neuen Spitzenkandidaten aufgestellt: Ist damit die Chance des BZÖ auf einen Einzug im Nationalrat eher gestiegen, etwa gleich geblieben oder eher gesunken?"

Darauf sagten 24 Prozent der 400 Befragten, dass die Chancen des BZÖ gestiegen seien - wobei market-Studienleiter David Pfarrhofer darauf hinweist, dass besonders jüngere Befragte aus der mittleren Bildungsschicht Westenthaler eine Chance geben würden. 14 Prozent meinen, dass Westenthaler eher dem BZÖ schade.

Und noch eine dritte Frage ließ der Standard durch marketerheben: Wie stark werden die Parteien als im politischen System verankert erlebt?

Hier geht es vor allem um Kleinparteien wie das BZÖ: Nur ein Prozent sieht es als "sehr stark verankert" im österreichischen politischen System, weitere sieben Prozent als "stark verankert"(weniger stark 34, überhaupt nicht 42). Für die FPÖ lauten die Vergleichswerte sechs Prozent "sehr stark verankert", 20 Prozent "stark verankert"- 45 "weniger stark"und 15 Prozent "überhaupt nicht".

Bei den Grünen sehen nach 20 Jahren im Parlament vier Prozent eine sehr starke, 30 Prozent eine starke, 48 Prozent eine weniger starke und fünf Prozent keine Verankerung.

Schließlich die KPÖ, die am Freitag in Graz ihre Kandidatur bekannt gegeben hat: Sie ist im politischen System noch weniger präsent als das BZÖ (61 Prozent: "überhaupt nicht verankert", nur ein Prozent "sehr stark verankert").

Die KPÖ, die bei der steirischen Landtagswahl im Vorjahr in Graz rund 16.000 Stimmen und bei der Gemeinderatswahl im Jahr davor 22.000 Stimmen hatte, erhofft sich in der Landeshauptstadt ein Grundmandat, wofür 25.000 Stimmen nötig wären. Zugpferd Ernest Kaltenegger wird allerdings nicht dabei sein, und wenn, dann auf dem 56. Platz, wie Parteichef Franz Stephan Parteder ankündigte. (DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.05. 2006)

Von Conrad Seidl
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