Die Gewürzstraße in Kagran

15. November 2006, 16:48
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Bis zum Río de la Plata führt Miriam Wiegeles Pflanzenausstellung, die im Schulgarten Kagran zu einer aromatischen Reise einlädt

„Ethnocooking liegt voll im Trend“, erklärt Miriam Wiegele, laut Eigendefinition „Pflanzenjägerin und -sammlerin.“ „Die Leute interessieren sich für exotische Aromen und wollen zunehmend auch die dazugehörigen Kräuter sehen.“ Grund genug für die Ethnobotanikerin, im Schulgarten Kagran eine „Gewürzstraße“ anzulegen, die typische Kräuter und Gewürze aus aller Welt vorstellt.

200 Gewürze in natura

Rund 350 Meter lang ist der Weg, der von Mittel- und Nordeuropa über den Vorderen Orient nach Asien und dann weiter nach Australien, Afrika und Amerika führt. Für jede Region werden vor allem die von dort stammenden Gewürze angeführt, aber auch jene, die in der lokalen Küche eine wichtige Rolle spielen – in natura zu sehen sind ungefähr 200.

Im gemäßigten Europa haben übrigens überraschend wenig Gewürze ihren Ursprung, und die Gegenüberstellung von Nord- und Südeuropa ist frappant: Gerade einmal fünf Kräuter, nämlich Austernpflanze, Engelwurz, Gagel, Gartenkresse und Sumpfgarbe, sind der kühleren Region zugeordnet – im Mittelmeerraum findet man mehr als sechs Mal so viele. Und die meisten davon sind hier zu Lande wesentlich bekannter als ihre nordischen Vettern. Das größte „Teilnehmerfeld“ freilich stammt aus Asien, zumal Indien seit jeher als das Ursprungsland exotischer Gewürze gilt.

Positive gesundheitliche Wirkung

Doch was genau sind eigentlich Gewürze? „Das sind Teile von Pflanzen wie etwa Blätter, Blüten, Rinden, Zwiebeln, Samen oder Früchte, die meist aromatisch oder scharf schmecken“, erklärt Expertin Wiegele. „Sie reichern unsere Speisen mit Geschmack an und wirken sich aufgrund ihrer Inhaltsstoffe auch gesundheitlich positiv auf unseren Körper aus.“ Mischungen von Gewürzen mit anderen Stoffen wie zum Beispiel Salz oder Geschmacksverstärkern (Glutamat) sind nach dem österreichischen Lebensmittelgesetz keine Gewürze; sie werden mit speziellen Namen – etwa Brathuhngewürz – oder als Würzmittel bezeichnet.

Mit dem wachsenden Interesse an Ethnocooking wird, so hofft Wiegele, auch das Bewusstsein von Konsumenten und vor allem Gastronomen dafür gesteigert, welche Fülle an unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen Mutter Natur zu bieten hat. „Was als Kräuterküche verkauft wird, ist leider allzu oft nur Deko mit Kräutern“, bedauert Wiegele. Das muss aber nicht sein, denn mittlerweile kann man auch ausgefallene Gewürze und Kräuter im Handel kaufen, entweder per Versand oder – verbunden mit sinnlichem Genuss – bei einem Besuch vor Ort. (mth, DER STANDARD Printausgabe, 27./28.05.2006)

"Grüner Erlebnistag":
1. 6., 10–18,
im Schulgarten Kagran,
1220 Wien, Donizettiweg 29
Infos unter: 01/4000-42300 und
MA 42

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