Sozialistische Kandidatur: Eine für beide oder beide für sich

7. Juni 2006, 16:34
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Die aussichtsreichste Linkskandidatin Ségolène Royal und SP-Chef Hollande sind privat ein Paar, politisch jedoch RivalInnen

Ségolène Royal ist Frankreichs aussichtsreichste Linkskandidatin für die Präsidentenwahl, aber auch ihr Lebensgefährte, SP-Chef Hollande, hat Ambitionen. Gerüchte sehen das Paar in der Krise - der Streit in der Partei ist eine Tatsache.

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Seiner Frau ein Kompliment zu machen, wenn möglich gar vor anderen - für einen galanten Franzosen wie François Hollande sollte das etwas Natürliches sein. Von dem 51-jährigen Sozialistenchef ist derzeit aber kein öffentliches Lob für seine Lebenspartnerin Ségolène Royal zu erwarten. Dabei ist sie die chancenreichste Linkskandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2007. Viele Umfragen sehen sie bereits im Elysée-Palast.

Genau dort liegt aber das Problem: Die anderen Kandidaten des Parti Socialiste (PS) verdächtigen Hollande, er missbrauche seine Stellung als Parteisekretär, um seine bessere Hälfte intern zu begünstigen und zu fördern. Bei der letzten Parteitagung kam es darüber fast zum Eklat. In der Partei herrschten "chaotische Verhältnisse", polterte der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë. "Es ist Zeit, Ordnung zu schaffen", forderte Ex-Kulturminister Jack Lang, der präsidiale Ambitionen hegt. "Eine Partei ist keine Privatangelegenheit", meinte Ex-Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn, der bereits eine aufwändige Wahlkampfmaschinerie in Gang gesetzt hat.

Ratschläge und Vorwürfe

Öl ins Feuer goss Ségolène Royal diese Woche selbst, als sie erklärte, ihr Lebensgefährte gebe ihr manchmal durchaus Ratschläge. Sofort hagelte es Vorwürfe, "François" stelle den Parteiapparat in den Dienst von "Ségolène", obwohl der offizielle Kandidat der Sozialisten noch gar nicht bestimmt sei.

Und François Hollande? Der SP-Chef hat nie dementiert, dass er Präsident werden wolle. Im Gegenteil, als er 1997 die Parteileitung übernahm, schien klar, dass er versuchen werde, das Amt als Sprungbrett in den Elysée-Palast zu nutzen - was die Lage aber nur noch komplizierter macht. "Für wen kämpft Hollande wirklich?", fragte die Zeitung Le Parisien am Freitag.

Beziehungskrise?

Gerüchteweise heißt es in Paris, im Haushalt der beiden prominenten Sozialisten flögen neuerdings öfters die Fetzen - und nicht etwa wegen der vier gemeinsamen Kinder. Royal werfe Hollande vor, er spiele ein doppeltes Spiel und warte nur darauf, bis sie in den Umfragen wieder einbreche, um seine eigenen Ambitionen anzumelden. Andere Eingeweihte behaupten, "Ségolène" verdächtige "François", er plane insgeheim die Rückkehr von Ex-Premierminister Lionel Jospin - der ihn 1997 zum Parteichef ernannt hatte, um freie Hand für die Präsidentschaftswahlen 2002 zu haben.

Le Parisien spekuliert nun, das sozialistische Paar sei gar nicht zerstritten, sondern werde die Präsidentenwahl unter sich ausmachen: Vorläufig werde sie kandidieren, er helfe ihr, wo er kann. Sollten indessen ihre Chancen schwinden, könnte sie verzichten und ihm den Vortritt lassen.

Unter einer Decke?

Steckt das sozialistische Paar also doch nicht in einer Beziehungskrise, sondern unter einer Decke? Beide wollen sich vor der offiziellen SP-Nominierung im Herbst dazu nicht äußern. Hollande sagte nur unverbindlich: "Ich treffe meine Entscheidungen als freier Mann und einzig im Interesse der Partei." Aber er kündigte an, er werde nach der Wahl nicht mehr als Parteichef zur Verfügung stehen. Dann dürfte er gute Chancen haben, im Elysée-Palast beschäftigt zu werden. Zumindest als "First Gentleman". (DER STANDARD, Printausgabe 27./28.5.2006)

Von Stefan Brändle aus Paris
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    Lebenspartner und mögliche Rivalen im Rennen um die Chirac-Nachfolge: Francois Hollande und ...

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    Ségolène Royal.

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