
In Kopenhagen fahren 36 Prozent der Bevölkerung mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Schon nach zehn Minuten begann es im Vortragssaal des Palais de Congrès zu rumoren. Was die Hundertschaft an Bürgermeistern und Stadtplanern, die sich in der Vorwoche zum Global City Kongress in Lyon zusammengefunden hatten, so aufbrachte, waren die Thesen des dänischen Architekten und Stadtplaners Jan Gehl: verpflichtende Parkplätze bei neuen Wohn- und Bürohäusern? Der völlig verkehrte Ansatz. Die Verkehrsplanungen in den Großstädten der Welt? Im Großen und Ganzen eine Themenverfehlung. Abschließendes Urteil Gehls: "Jede Stadt betreibt Verkehrsplanung und zählt penibel die Autobewegungen in ihren Straßen, die Bewohner und ihre Bedürfnisse aber werden vernachlässigt."
Wien ist da auch nicht viel anders. Bis dato hält man bei zwei dezidiert autounfreundlichen Wohnbauprojekten. Begonnen hat alles vor gut einem Jahrzehnt mit dem Projekt "autofreie Siedlung" in Floridsdorf, wo 244 geförderte Wohnungen ohne Autoabstellplatz errichtet wurden. Die Mieter verpflichteten sich, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Das zweite Projekt ist die derzeit am Gelände des "Kabelwerks" in Wien-Meidling entstehende Siedlung, wo nur ein Zehntel der sonst verpflichtend vorgeschriebenen Parkplätze errichtet wird.
Mehr Lebens- und Freiraum
Angesichts von rund einer Million Wohnungen in Wien jenseits der Wahrnehmungsgrenze, aber ganz nach dem Geschmack von Gehl, denn: "Wer Parkplätze schafft, stimuliert die Anschaffung von Pkws in den Städten, und wer keine Parkplätze schafft, verbannt die Autos mittelfristig aus den Städten und schafft so automatisch mehr Lebens- und Freiraum für die Menschen." Internationale Beispiele bestätigen diese These. Barcelona, Lyon, Kopenhagen, Córdoba in Europa, Portland in den USA oder Melbourne in Australien haben sich gegen mehr Parkplätze und für mehr Fußgängerzonen mit Sitzgelegenheiten entschieden, was auch die Nachfrage nach innerstädtischem Wohnen signifikant ansteigen ließ.
Renaissance der City
Die Zukunft des Wohnens könnte aussehen wie Kopenhagen. Dort war es die erste große Ölkrise in den 70er-Jahren, die zur Diskriminierung der Pkws geführt hatte. Die Folgen bis heute: 36 Prozent der Kopenhagener fahren mit dem Fahrrad auch zur Arbeit, 33 Prozent benutzen öffentliche Verkehrsmittel, acht Prozent gehen zu Fuß, und nur noch 23 Prozent (von zuvor weit über 60 Prozent) fahren weiterhin mit dem Auto.
Gleichzeitig hat die gesamte Innenstadt eine Renaissance als Wohngegend erlebt. Immer mehr Menschen sind vom Speckgürtel zurück in die Kopenhagener City gezogen – allerdings auch mit dem Effekt, dass die Wohnimmobilienpreise hier überdurchschnittlich gestiegen sind. Schließlich sind hunderte Straßen-Cafés entstanden.
Dass selbst autofanatische Großstädte wie San Francisco mit weniger Hauptverkehrsadern auskommen, sieht Gehl als Bestätigung seiner These. Im Zuge des letzten großen Erdbebens war eine der wichtigsten Stadtautobahnen zerstört, aber nie wieder aufgebaut worden. Heute befindet sich an ihrer Stelle ein großzügiger Spazierweg samt Straßenbahnlinie – und neuen, im Hochpreissegment angesiedelten Wohnprojekten.
Citymaut als Lösung
Einen noch radikaleren Weg haben Städte wie London, Sydney oder Santiago de Chile eingeschlagen, die unterschiedliche Mautsysteme für die Nutzung der Stadtstraßen eingeführt haben. In London entschied man sich etwa für die "Einfahrtsgebühr" in die Stadt. Nick Gavron, Deputy Mayor of London: "Zu Beginn war die Citymaut ein großer, vorwiegend über die Medien gespielter, Aufruhr. Ich kann aber sagen, dass dadurch die Wohnqualität stark gestiegen ist." Sydney und Santiago erheben – vorerst nur auf einzelnen Durchzugsstraßen – eine fahrleistungsabhängige Maut ähnlich der heimischen Lkw-Autobahnmaut. Auch dort folgte dem Aufstand bald ein Gewöhnungsprozess.
Catherine Hart, Leiterin der strategischen Stadtplanung von Sydney, half mit einer gefinkelten Strategie nach: "Wir haben die Bemautung aufgrund der Proteste vorübergehend ausgesetzt, dann mit verminderten Kosten wieder eingeführt – und stufenweise auf den ursprünglichen Betrag zurückgeführt. Jetzt ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zufrieden." (Gerhard Rodler aus Lyon, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.5.2006)
prinzipell ein gute idee ... aber nicht durchführbar, da wie bereits erwähnt es zu einem ökonomisch bedingten ausschluss kommen wird ... sprich die reichen fahren halt auto und die die nichts haben quälen sich mit dem rad oder mit den öffis durchs leben
die stadtplaner sollten sich mal überlegen welch oranisatorischer kraftakt es ist, mit kind und kegel einen wochenendeinkauf zu tätigen ... im sommer ... in der bim ...
wichtiger wäre die funktionstrennung von arbeiten und wohnen zu entflechten, denn wenn der arbeitsplatz in der nähe ist, wird man kaum das auto benutzen ...
ich trete für einen bewussten umgang mit dem auto ein ... ökonom. ansetzende strategien benachteiligen nur die finanziell schwachen einer gesellschaft
Nach 10 Jahren und etlichen Wohnungsverkäufen hat dort (fast) jeder schon ein Auto. Nur um die Abstellplätze dürfen sich die Einwohner mit der Umgebung raufen. Wiener brauchen ein Auto, weil sie am Wochenende an den Stadtrand einkaufen fahren, gerne auch mal die Stadt verlassen und in den Urlaub fahren wollen. Was die angesprochenen Städte betrifft, Innenstadtwohnungen sind dort extrem teuer, die Einwohner können sich also locker ein Auto leisten (und haben sicher auch eines). Das wäre dann auch die Antwort auf die Frage, womit die Kopenhagener in den Urlaub fahren. Fazit: die Innenstadt (nicht: Floridsdorf!) mit erhöhter Lebensqualität ist ausschließlich etwas für Reiche. Kennt der Architekt eigentlich unsere liebe Ursula?
ich wohne in der Innenstadt von Wien und habe auch kein Auto, aber sicher nicht freiwillig, sondern weil ich mir die Dreifachbelastung von hohen Wohnkosten, Netzkarte und Auto nicht leisten kann (oder will).
man sieht das sehr schon in der Garage gegenüber meinem Arbeitgeber: die oberen Führungsebenen kommen allesamt mit dem Auto, von den besserverdienenden Technikern kommen einige mit dem eigenen PKW und die Sachbearbeiter und Teilzeitkräfte fahren zu 100% mit der Straßenbahn. Nach Jahrzehnten sozialdemokratischer Politik, die Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten gebracht hat, gehen wir wieder zurück zur Klassengesellschaft. Das ist einigen sicher ganz recht, aber mir persönlich wäre es lieber, jeder könnte sich Autofahren leisten.
Zone 100 um den Speckgürtel erweitern
Die U-Bahn in den Speckgürtel führen und nicht engstirnig nur Wien als U-Bahn Gebeit betrachten
Kein Stadion und kein Einkaufszentrum im Niemandsland Rothneusiedel, dafür die SCS anschließen (wie super ein Stadion im Nirgendwo neben einem Einkaufszentrum funktioniert > siehe Südstadt)
Eine U-Bahn die bis 2 Uhr morgen und ab 4 Uhr morgens wieder fährt
Die Takte immeer so kurz wie möglich halten
Ein Zutritsystem zur U-Bahn wo man nur mit Fahrkarte reinkommt
Zonenticketvorverkaufsautomaten über die gesamte Stadt verteilen (wie die Tschickautomaten)
Den Ring um Wien schließen
Und dann: Prackpickerl verdoppeln, Parckscheinpreise erhöhen, die Straßen zurückbauen.
Wer sagt eigentlich, dass es a) EKZ geben muss und b) diese am Standtrand an den Ausfallstraßen stehen müssen? Wer so autoorientiert plant darf sich ja auch nicht wundern, dass die Menschen dann viel mit dem Auto fahren. Blöd wären sie, wenn man ihnen die komplette Infrastruktur hinstellt und ihnen dann das Auto verbieten will.
Ich erinnere mich noch wie ich eingezängt mit der Strassenbahn über den Rind fuhr oder wie letztens in der U Bahn ein Betrukener mit seinem Clan blöd herumredete. Der Lebensraum hat sich gewaltig verändert: Ich habe ganz Österreich bis nach München, Bozen und St Moritz in einer Zeit gesehen die ich mit Bahn oder so mehr mit Warten aufgefüllt hätte. Wer ein Auto will sollte nicht deswegen gestraft werden Es steht jedem frei z.B. New York City gegen Fischamend zu tauschen Wer Ruhe will kan ja am Land wohnen, aber dann nicht dort weg laufen weil es so ruhig und fad ist...
aber der Artikel sagt ja genau das Gegenteil, nämlich das in Städten wo der innerstädtische Verkehr abgenommen hat, eine Belebung eingetreten ist!!! Es macht nämlich mehr Spass an einem Ort zu sein, wo es nicht stinkt und laut ist. Naja, aber solange niemand auf seinen Lebensraum Auto verzichten möchte....
lg,
ich glaub du musst nach fischamend wennst mit den öffentlichen nicht zurecht kommst. gehörst sicher auch zu jenen, die jeden tag gerne wien zustauen. lieber eine stunde im auto als eine viertelstunde in den öffis. und dabei noch munter feinstaub und emissionen produzieren.
Tun Sie doch nicht gleich soooo wehleidig wenn andere Menschen Ihre Interessen wahrnehmen oder Beispiele gebracht werden die zeigen dass es auch anders geht. Es geht hier nicht um strafen sondern um einen Interessenausgleich.
Ich finde NYC genal will aber trotzdem in Wien bleiben und würde mir hier eine Verringerung der Autokolonne durch die Stadt wünschen.
Bezüglich Krimineller in der UBahn: Die gibt es aber sehr selten. Vor allem aber keimen die meisten kleinen Kriminaldelikte im Strassenverkehr unter Autofahrern.
Ich respektiere Ihre Meinung, bitte respektieren Sie auch die anderer.
und was ist, wenn man einen Fernseher kauft, und den dann quer durch die Stadt tragen muss (falls man dazu in der Lage ist), oder ein neues Kastl in die Wohnung schleppt? oder ein Sofa???
Mobilitaet einzuschraenken mit solchen absolut sinnlosen Aktionen ist einfach nur laecherlich. Wer sowos befuerwortet hat einfach nur sche***e im hirn
in wien ist zu wenig platz zum autofahren.zu schmale strassen, staedteplanung aus dem 19. jahrhundert auf fortschritt (auto) umgemodelt, kaum parkplaetze,.. in NYC ist das meiste 4 spurig(links und rechts parken) und die meisten leute fahren in der mitte der 2 spuren.mit italienischem fahrstil faehrt man locker an der ganzen kolonne vorbei.die leute machen auch platz.sie selbst bevorzugen es eben mit grossem seitenabstand zu fahren, aber als europaeer ist man gewoehnt mit 30 cm platz links und rechts langsam an der schlange vorbei zu cruisen.in wien fahr ich mit dem rad und der vespa.gibt einfach keine parkplaetze.ich wuerde raten auf bequeme automatik motorrorller umzusteigen.schnell bequem + fun.auch regentauglich.u-bahn echt grauslich
Schön für sie wenn ihr Leben darin besteht, dauernd einen Fernseher, ein Kastl usw. zu kaufen. Schauen sie aber doch mal in andere Autos...
Ich sehe aber auch nicht, wo die Mobilität eingeschränkt wird in einer Großstadt wenn man das Auto weglässt.
Ohne so ausfällig zu werden wie sie, sollten sie sich doch mal überlegen wer sch*** im Hirn hat, sie bemitleidenswerter kleiner Troll....
Es geht nicht um ein komplettes Autoverbot, sondern darum, dass die Leute nicht jeden Tag mit dem Auto in die Arbeit und zurückfahren. Eine Citymaut wäre eine vernünftige Maßnahme. Wenn du dir einen Fernseher kaufst, dann darfst du eh mit dem Auto fahren (und zahlst halt das eine Mal im Jahr die Maut), oder du lasst in dir zustellen.
Wie schön und ruhig wär Wien ohne die Autohölle.
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