Gewaltwelle mehr als "einfacher Aufstand"

1. Juni 2006, 15:39
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Gouverneur: Taliban-Offensiven von Al-Kaida gesteuert

Kandahar - Die afghanische Führung vermutet hinter den jüngsten massiven Taliban-Offensiven im Süden des Landes das Terrornetzwerk Al-Kaida und andere islamistische Drahtzieher. "Al-Kaida und gewisse andere Länder üben Druck auf die Taliban aus, damit sie vor allem in (der Südprovinz) Kandahar Boden gutmachen", sagte der Gouverneur von Kandahar, Asadullah Khalid, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag.

Die jüngste "Welle der Gewalt" gehe über einen "einfachen Aufstand" hinaus. Die Taliban haben zum "Heiligen Krieg" (Jihad) gegen die rund 30.000 ausländischen Soldaten im Land und gegen die pro-westliche Kabuler Regierung des Präsidenten Hamid Karzai aufgerufen.

Afghanische Regierungsvertreter werfen dem Nachbarland Pakistan regelmäßig vor, den Taliban im Grenzgebiet Unterschlupf zu gewähren und den Aufstand zu steuern. Der pakistanische Staatschef Pervez Musharraf hatte vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA die Taliban unterstützt, die 1996 in Afghanistan mit Hilfe pakistanischer Geheimdienste an die Macht gekommen waren. Der Süden Afghanistans, insbesondere die Provinz Kandahar, ist seit der vergangenen Woche Schauplatz der blutigsten Kämpfe seit vielen Monaten. Nach afghanischen Behördenangaben wurden dabei rund 350 Taliban getötet.

Heiliger Krieg gegen Afghanistan

Präsident Karzai hat Pakistan vorgeworfen, in den dortigen Koranschulen werde zum Heiligen Krieg in Afghanistan aufgerufen. Die Regierung in Islamabad wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Die mehr als 10.000 Koranschulen in Pakistan bilden bis zu eine Million Schüler aus. Der afghanische Ex-Premier und Aufständischen-Anführer Gulbuddin Hekmatyar hat seine Unterstützung für Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden bekundet. Die Regierung in Kabul hat Pakistan beschuldigt, Bin Laden nur halbherzig zu verfolgen. US-Regierungsvertreter übten Kritik an Pakistan, nicht genug im Kampf gegen den Terrorismus zu tun. Nicht nur Bin Laden, sondern auch mit Al-Kaida verbündete Taliban-Kämpfer hätten Unterschlupf in Pakistan gefunden. Pakistan gehört im Kampf gegen den Terrorismus zu den engsten Verbündeten der USA. (APA)

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