Professioneller Schub für die heimischen Aufsichtsgremien

27. Juli 2006, 14:14
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Die Neumann Leadership Group hat eine Stiftung Corporate Governance gegründet und vermittelt auch Aufsichtsräte und Beiräte

Der Aufsichtsrat als Kontroll- und Strategiegremium steht durch den Bawag-Skandal im Zentrum der Kritik wie nie zuvor. Die Neumann Leadership Group hat eine Stiftung Corporate Governance gegründet und vermittelt auch Aufsichtsräte und Beiräte.

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"Ein Rollenverständnis des Aufsichtsrats als bloßer Berichtsempfänger, gleichsam als Briefkasten dessen, was der Vorstand zur Post gibt, ist gesetzeswidrig", kommentiert Erich Becker, ehemaliger VA-Tech-General und jetzt Vorsitzender des Vereins "Die Aufsichtsräte", die aktuelle Diskussion über Fähigkeit oder Unfähigkeit der Kontrollgremien im Gefolge der Affären um die Bawag und die Hypo Alpe-Adria. "Es ist noch nicht ins Bewusstsein eingedrungen, dass Aufsichtsräte auch ein strategisches Instrument sind. Da ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten", fasst es Berater-Doyen Helmut Neumann etwas sanfter. Er bietet mit der Neumann Leadership Group jetzt auch in Österreich Board Services an, bewertet und berät bei der Besetzung von Aufsichtsräten und Beiräten.

"Eine eher nonchalante Be setzungsstrategie" ortet er diesbezüglich in Österreich allerdings schon. Einige Mandate sind in Österreich schon erfüllt, Aufträge für Beirats-Zusammensetzungen laufen.

Ein florierendes Geschäft, wo doch Multi-Aufsichtsräte gern als gut aufgestelltes Old-Boys-Network beschrieben werden? "Das Problembewusstsein muss wohl erst wachsen", formuliert Thomas Hölzchen, Managing Partner der Neumann Leadership in Hamburg, aus seiner Perspektive. Das sei allerdings im Gange, und des wegen fördere man den Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis: Stiftung für Corporate Governance heißt die Plattform dafür, die in Zusammenarbeit mit der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ins Leben gerufen wurde.

Im Stifterkreis finden sich neben Helmut Neumann prominente "Elder Statesmen" wie Ex-VW-Vorstand Robert Büchelhofer oder Werner Spinner, ehemaliger Bayer-Vorstand. Das Thema Corporate Governance, also eine anständige Unternehmensführung, soll so kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Ob das über weite Strecken nun angeschlagene Image der heimischen Aufsichtsräte vielleicht auch mit der schlechten Remuneration zu tun hat, die etwa Anleger-Schützer Wilhelm Rasinger oft bemängelt? Neumann: "Da sind die Unterschiede gewaltig, wir versuchen das derzeit zu erheben." Damit meint er die derzeit laufende Umfrage, die erwünschte Qualitäten und Qualifikationen der Aufsichtsratsmandatare noch bis 6. Juni abfrägt. (Karin Bauer aus Hamburg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.5.2006)

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