Tschechien: Dokumente von kommunistischem Geheimdienst veröffentlicht

2. Juni 2006, 10:22
posten

Darunter Berichte über im Westen lebenden Emigranten

Der tschechische Auslands-Nachrichtendienst (UZSI) hat neue Dokumente des ehemaligen tschechoslowakischen kommunistischen Geheimdiensts (StB) im Internet veröffentlicht. Auf der Web-Adresse http://archiv.uzsi.cz gibt es jetzt beispielsweise auch Berichte von StB-Offizieren, in denen über die Tätigkeit der im westlichen Exil lebenden Emigranten informiert wird. Darunter sind auch das einstige KP-Politbüromitglied Zdenek Mlynar, der nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei 1968 in Österreich lebte.

Die Verfolgung der im Westen lebenden tschechoslowakischen Emigranten war eine der wichtigsten Aufgaben der StB-Spionage. Neben Mlynar interessierte sich der Geheimdienst vor allem für Pavel Tigrid, der in Paris lebte, sowie für den einstigen Direktor des Tschechoslowakischen Fernsehens in der Zeit des "Prager Frühlings" 1968, Jiri Pelikan, im italienischen Exil. Zu den schriftlichen Berichten wurden auch entsprechende Fotos, die der Geheimdienst gemacht hatte, veröffentlicht.

Interessant sind auch jene Berichte, in denen sich StB-Offiziere über die schlechte Qualität des kubanischen Nachrichtendienstes beschweren. "Die Qualität ihrer Produktion ist im Vergleich zu den Aufklärungsdiensten der UdSSR oder der DDR grundsätzlich niedriger", steht in einem Dokument. Beispielsweise in den Jahren 1975 bis 1989 hatte der tschechoslowakische Geheimdienst nur eine einzige Information des kubanischen Nachrichtendienstes als "sehr wertvoll" eingeschätzt.

Die Archive der tschechoslowakischen kommunistischen Geheimpolizei waren in den vergangenen Jahren praktisch beinahe völlig geöffnet worden. Nur ein kleiner Teil bleibt immer noch unzugänglich - es handelt sich um Informationen der Auslands-Spionage, die die heutigen Verbündeten Tschechiens betreffen.(APA)

Share if you care.