Zweiter Moslem kandidiert bei Präsidentenwahl

8. Juni 2006, 13:54
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Nach Ex-Mufti von Marseille kandidiert nun 34-jähriger Immigrantensohn

Paris - Nach dem ehemaligen Mufti von Marseille, Sohib Bencheikh (44), hat nun in Frankreich ein zweiter Moslem die Absicht angekündigt, bei der Präsidentenwahl im Frühjahr 2007 zu kandidieren. Es handelt sich um den 34-jährigen Rachid Nekkaz, Sohn algerischer Eltern, die in den 1950er Jahren nach Frankreich eingewandert waren. Der in einer Pariser Vorstadt aufgewachsene Nekkaz studierte an der Sorbonne Geschichte und Philosophie, bevor er eine auf die Errichtung von Webseiten spezialisierte Firma gründete. 1998 veröffentlichte er bereits ein Buch, in dem er ein Interview mit den G-7-Regierungschefs simuliert, das von den Hoffnungen der Jugendlichen für das beginnende 21. Jahrhundert handelt.

Während der zweiten Intifada in Israel und den Palästinenser-Gebieten machte Nekkaz den Vorschlag, den Sitz der Vereinten Nationen von New York nach Jerusalem zu verlegen, um zum Frieden im Nahen Osten beizutragen. Nach den Attentaten vom 11. September 2001 in den USA und dem zunehmenden Unbehagen der Moslems in Frankreich gründete Nekkaz das "Bürgerforum der islamischen Kultur" FCCM, um den Moslems im Lande ein positives Image zu verleihen.

Vorschläge für eine "neue Politik"

Im Anschluss daran schrieb Nekkaz ein Buch mit 89 konkreten Vorschlägen für eine "neue Politik", das er an die bedeutendsten Parteichefs in Frankreich schickte, und womit er seinen aktiven Eintritt in die Politik bekundete. Er gründete die Bewegung "Allez France!" und wurde Mitglied der Bürgerinitiative "Banlieues respectes" ("Respektierte Vorstädte"), welche jungen Immigranten bei der sozialen Eingliederung behilflich ist und sie auf ihre Bürgerrechte und Pflichten hinweist.

Jüngst brachte er mit der Unterstützung zahlreicher Parteien aus dem linken und dem rechten politischen Lager einen Gesetzesentwurf im Parlament ein, der die automatische Einschreibung aller erwachsenen Franzosen in die Wählerlisten vorsieht. Gegenwärtig müssen sich die Wähler selbst einschreiben, wenn sie an den Urnengängen teilnehmen wollen. Dies führt dazu, dass etwa 3,2 Millionen Franzosen, vor allem Moslems, von den Wahlen ausgeschlossen sind.

Auch Bencheikh, Sohn des algerischen Botschafters in Frankreich, hatte seine Kandidatur für den Elysee-Palast mit dem Willen begründet, ein besseres Image von den Moslems im Lande zu geben. "Ich will es als banal und normal erscheinen lassen, dass ein Araber und Moslem das Recht hat, das höchste Amt in der Republik anzustreben", betonte der Theologe, der für seine Ambitionen in den Kreisen des radikalen Islam heftige Kritiken geerntet hat. Bencheikh besuchte die renommierte Ecole Pratique des Hautes Etudes in Frankreich und die ägyptische Universität Al-Azhar, die als oberste theologische Autorität des sunnitischen Islam gilt. (APA)

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