"Austrifizierung" des US-Chapter 11

8. Juni 2006, 15:46
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Wirtschaftstreuhänder fordern neues Insolvenzrecht, derzeitiges Insolvenzrecht sei "Zerstörungsrecht"

Wien - "Das derzeitige österreichische Insolvenzrecht ist ein Zerstörungsrecht, die Wirtschaft benötigt aber ein vernünftig gestaltetes Sanierungsrecht", fordert der Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Alfred Brogyanyi, am Freitag in einer Aussendung. Nach dem Insolvenzrekord 2005 (Gesamtpleiten 13.602) müssen nun Verbesserungsvorschläge in die Tat umgesetzt werden . Hier seien Gesetzgeber, Interessenvertretungen und Unternehmer gemeinsam gefordert. Brogyanyi schlägt eine "Austrifizierung" des US-Chapter 11 vor.

Im Gegensatz zu Österreich erfolgt im amerikanischen Insolvenzrecht eine Schuldenbereinigung und eine Schuldenumwandlung. Dabei erhalten die Unternehmen die Möglichkeit einer Kapitalumwandlung. Die Schuldenentlastung ist das zentrale Element.

In den USA ist das persönliche Unternehmerrisiko in diesem Zusammenhang geringer. Nach einer Insolvenz besteht in der Regel Schuldenfreiheit und der Unternehmer ist nicht stigmatisiert.

Frühzeitige Sanierungseinleitung

Die frühzeitige Sanierungseinleitung (Reorganisationsplan) erfolgt, da die Verfahrenseröffnung ohne die Voraussetzung der drohenden Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung beantragt werden kann - nur dadurch wird ermöglicht, dass die Sanierung überhaupt realistisch ist.

Da die Insolvenz erst am Ende des Niedergangs eines Unternehmens steht, muss die Insolvenzprophylaxe gestärkt werden. Brogyanyi rät allen Unternehmen zu einer Fortbestehensprognose: "Jeder Unternehmer ist gefordert, sich mit der Zukunft seines Unternehmens auseinanderzusetzen und dies in geeigneter Weise darzustellen." Das heißt auch, sich mit Maßnahmen zur Eigenkapitalstärkung, Unternehmenskennzahlen und Risikomanagement, vor allem aber auch im klein- und mittelständischen Bereich verstärkt mit der Unternehmenszukunft zu befassen. (APA)

  • Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Alfred Brogyanyi spricht sich für "Austrifizierung" des US-Chapter 11 aus.
    foto: standard/cremer

    Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Alfred Brogyanyi spricht sich für "Austrifizierung" des US-Chapter 11 aus.

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