Frauenkonferenz: Frauen verdienen noch weniger als bislang

5. Juni 2000, 22:33

Kofi Annan: Globalisierung verschärft Benachteiligung

New York - Die Benachteilung von Frauen im Berufsleben ist nach Ansicht des UNO-Generalsekretärs Kofi Annan in zahlreichen Ländern durch die Globalisierung noch verschärft worden. Dadurch sei die Schere zwischen den Einkommen von Frauen und Männern weiter auseinander gegangen, sagte Annan am Montag bei der Eröffnung der Sonderkonferenz der UNO-Generalversammlung "Frauen 2000" in New York.

Keine ausreichende Bildung

Als Hauptgrund nannte der UNO-Generalsekretär vor den rund 10.000 Teilnehmerinnen aus aller Welt, dass Frauen in den meisten Ländern nach wie vor keine ausreichende Bildung erlangen könnten. "Die Globalisierung vollzieht sich aber über Technologien, die nur die besser geschulten Werktätigen beherrschen." Eines der Hauptziele des internationalen Ringens um die Verwirklichung gleicher Rechte für Frauen und Mädchen müsse es deshalb sein, ihnen überall gute Bildungschancen zu geben.

"Schädliche traditionelle Praktiken"

Annan hob hervor, dass seit der Weltfrauenkonferenz von Peking vor fünf Jahren eine Reihe realer Fortschritte erreicht worden seien. So sei heute fast überall auf der Welt Gewalt gegen Frauen illegal und "schädliche traditionelle Praktiken" wie die Verstümmelung der weiblichen Geschlechtsorgane ("Genitalbeschneidung") und die Witwenverbrennung seien zurückgedrängt worden. Jedoch habe insgesamt die Anwendung von Gewalt gegen Frauen zugenommen. Das träfe sowohl auf die häusliche Umgebung zu als auch für einen "neuen Typ bewaffneter Konflikte", bei dem Zivilisten und unter ihnen insbesondere Frauen und Kinder die Hauptleidtragenden seien.

Themen der Woche

Für die Diskussionen über Themen wie der Definition von Familie, dem Erbschaftsrecht, der Sexualerziehung und neue Programme zur AIDS-Prävention wurden fünf Tage angesetzt. Parallel zu der Konferenz auf UNO-Ministerebene soll es Frauen- Foren, Seminare und andere Veranstaltungen geben, zu denen mindestens 10.000 Besucher erwartet werden.

Auch fünf Jahre nach Peking sind einige zentrale Fragen weiterhin strittig. Vertreterinnen der Frauen-Organisationen der Dritten Welt wiesen darauf hin, dass die Verwirklichung der Frauenrechte in den ärmeren Ländern auch stark vom Geld abhängig sei, das ihrer Ansicht nach jedoch noch immer nicht ausreichend in diese Länder fließe.

2005 sollen Gleichstellungrechte umgesetzt sein

Die Pekinger Konferenz von 1995 hatte für die Aufhebung diskriminierender gesetzlicher Regelungen und für die Durchsetzung der Gleichstellung als Frist das Jahr 2005 genannt. Ein Vorschlag für New York sieht jetzt vor, dieses Datum durch die Formulierung "so bald wie möglich" zu ersetzen. Schon in Peking waren die Rechte der Frauen als unveräußerliche Menschenrechte bezeichnet worden. Für die Beseitigung von Armut und Elend waren allerdings keine Fristen genannt worden.
(APA/dpa)

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