Hektische Spurensuche nach neuer Bärensichtung

2. Juni 2006, 18:54
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Für "Bruno" geht es um Leben oder Tod - Tierschützer wollen den Bären in Gehege unterbringen

Innsbruck – In Westösterreich und Süddeutschland war Freitag weiter der Bär los. Nach der Meldung einer Sichtung des Braunbären „Bruno“ im Tiroler Rofangebirge (Bezirk Schwaz) waren wieder zahlreiche Jäger und Tierschützer auf Spurensuche.

"Tot oder lebendig"

Die Aufträge lauteten „tot oder lebendig“ – je nachdem, wo das Tier, das wegen seiner fehlenden Menschenscheu und seines Appetites auf Stallvieh als „Problembär“ gilt, wieder auftauchen sollte. Im Außerfern und in Bayern war „Bruno“ zum Abschuss frei gegeben.

Die Organisation „Vier Pfoten“ setzte alles daran, den wahrscheinlich aus Italien stammenden Tatzentouristen lebend zu fangen. Dazu holten die Tierschützer sogar Experten aus Rumänien, die schon so manchen zu zutraulichen Karpatenbären in die rettende Falle gelockt haben. „Vier Pfoten“ betreibt mehrere Gehege, darunter den „Bärenwald“ in Arbesbach im Waldviertel (NÖ) und den Bärenpark Belitza in Bulgarien. „Bruno“ könnte aber auch in einer gemeinsam mit der deutschen Stiftung Bär vorbereiteten Unterkunft in der Nähe von München untergebracht werden.

Michael Martys, Direktor des Innsbrucker Alpenzoos, hält einfangen und einsperren hingegen für Tierquälerei. Ein Abschuss solle aber dennoch die allerletzte Lösung bleiben. Wenn es gelinge den Bären zu narkotisieren, dann sollte er in eine geeignete Umgebung gebracht werden. Allerdings könne man dann nicht ausschließen, dass sich das Tier erneut auf Wanderschaft begebe, meinte der Zoo-Direktor.

Zwanzig streunende Bären in Österreich

Laut World Wide Fund for Nature (WWF) leben in Österreich derzeit rund zwanzig Braunbären in freier Wildbahn. Ihr Erhalt sei aber nicht gesichert. Ein genetisches Monitoring habe ergeben, dass die Tiere zu nahe miteinander verwandt seien, um den Bestand selbst aufrecht zu erhalten. „Nur Einwanderer können gewährleisten, dass der Genpool aufgefrischt wird“, erklärte WWF-Sprecherin Susanne Grof. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe, 27./28.05.2006)

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