"Paraguay hat nur wenig Chancen"

10. Juni 2006, 10:54
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Chilavert sieht die Mö­glichkeiten seiner Lands­leute skeptisch, dafür träumt der frühere Star-Goalie vom Teamchef-Posten

Asuncion - Seine Tormann-Handschuhe hat Jose Luis Chilavert längst an den Nagel gehängt, doch sein Nationalteam hat der wohl bekannteste paraguayanische Fußball-Profi der vergangenen WM-Turniere längst nicht aus den Augen verloren. "Seit meiner letzten WM träume ich davon, Paraguays Teamchef zu werden", sagt der 40-Jährige.

Wohl auch aus diesem Grund reitet Chilavert schwere Attacken gegen den aktuellen Coach Anibal Ruiz. "Seit einem halben Jahr weise ich darauf hin, dass man zu einer WM nicht mit 35-Jährigen fährt", sagt der frühere Kapitän über seine erneut nominierten Weggefährten Carlos Gamarra, Roberto Acuna und Jose Cardozo. "Ich habe nichts gegen sie, aber das Alter spricht gegen sie." Mit dem derzeitigen Kader sei eine Überraschung unwahrscheinlich. "Paraguay hat bei der WM nur wenige Chancen", ist der Exzentriker überzeugt.

Dennoch wird der in der Heimat nicht Unumstrittene seiner Mannschaft die Daumen drücken. "Nie zuvor hat sich Paraguay zweimal in Folge für eine WM qualifiziert, und jetzt haben wir es sogar dreimal in Folge geschafft."

Der torgefährlichste Goalie

Chilavert sorgte nicht nur durch sportliche Leistungen für Aufsehen, auch mit Ohrfeigen und Fausthieben setzte sich der 93 Kilo schwere Profi wiederholt in Szene. Ungewohnten Offensivgeist zeigte er auch auf dem Spielfeld: In seinen 72 Länderspielen schaffte der Schlussmann acht Tore - und tönte angesichts seiner Torgefährlichkeit bei Frei- und Strafstößen vollmundig: "Ich bin der Prototyp des Torhüters des dritten Jahrtausends."

Ins Blickfeld der großen Fußball-Welt geriet der Paraguayaner vor allem bei seinen WM-Auftritten 1998 und 2002. Vor acht Jahren kam gegen den späteren Titelträger Frankreich im Achtelfinale das Aus, als Chilavert wenige Minuten vor Ende der Verlängerung das bittere "Golden Goal" hinnehmen musste. Spieler und Offizielle heulten nach dem Ausscheiden hemmungslos in der Kabine, doch der zum besten Tormann des Turniers gewählte Chilavert zeigte im Moment der Niederlage Größe: "Ich bin stolz auf das Team und stolz auf mein Land. Wir sind Helden trotz der Niederlage."

Vier Jahre später bei der WM in Südkorea und Japan scheiterte Paraguay ebenfalls im Achtelfinale 0:1 an Deutschland. "Wir sind als Helden gefallen", klagte Kapitän Chilavert - und musste damit auch seinen Traum von einem WM-Treffer begraben.

Ende 2003 nahm Chilavert endgültig Abschied vom Profi-Fußball und widmete sich erst einmal Zeit seiner Familie. Inzwischen betreibt der Paradiesvogel ein Restaurant, arbeitet mit einer Augenklinik zusammen und verwaltet mehrere Grundstücke.(APA/dpa)

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    War immer für eine Überraschung gut: Jose Luis Chilavert.

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