Nach Expertenmeinung könnte "Radio Maryja" Polens Kirche spalten

7. Juni 2006, 14:25
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Präsident des Johannes Paul II.-Zentrums hofft auf Lösung nach Papst-Besuch

"Radio Maryja könnte ein sehr wichtiges Evangelisierungsmedium sein, aber auch ein Mittel zur Teilung der Kirche." Diese Einschätzung des umstrittenen polnischen Senders äußerte der Präsident des "Johannes Paul II.-Zentrums", Andrzej Zoll, in Krakau zu Beginn der Polen-Visite von Papst Benedikt XVI. im Gespräch mit österreichischen Journalisten. "Ich hoffe, dass wir in Polen nach dem Besuch Benedikts XVI. eine Lösung finden."

"Strenge, harte" Schritte hinsichtlich des Radios vor der derzeit stattfindenden Visite des Papstes hätten "gefährlich" sein können, da sie den Besuch überschatten hätten können, meinte Zoll, der früher das Amt des vom polnischen Parlament eingesetzten Ombudsmanns für Bürgerrechte ausübte. Mit der Schaffung eines Programmrates seien bereits erste Schritte gesetzt worden, durch die es nun eine "innere Zensur" innerhalb des Senders gebe.

Dass gegen das als antisemitisch kritisierte Medium bisher keine deutlicheren Maßnahmen ergriffen wurden, begründet Zoll auch mit den religiösen Inhalten von "Radio Maryja", das etwa vier Millionen ständige Zuhörer habe. Wenn es um religiös-geistliche Fragen gehe, seien die Sendungen auf einem sehr guten Niveau. "Darum unterstützen viele katholische Bischöfe dieses Radio." Die politischen "Zwischenrufe" im Programm seien jedoch ein "besonders großes Problem".

"Ich meine, das ist kein katholisches Radio"

Für ihn stelle sich die Frage, ob "Radio Maryja" überhaupt als katholisch zu bezeichnen sei. "Das ist ein Radio mit vielen katholischen Inhalten, aber ich meine, das ist kein katholisches Radio", so der Präsident des Johannes Paul II.-Zentrums, das unter anderem aus einem Institut zur wissenschaftlichen Erforschung des Werkes des polnischen Papstes besteht, in Zukunft jedoch auch etwa in der Familienberatung oder im Hospizwesen aktiv werden will. (APA)

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