Preisverfall bei Eiern: Geflügelzüchter schlagen Alarm

5. Juni 2006, 18:42
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Abwanderung in Billigländer droht - Grillitsch: "Tierschutz darf nicht nur Lippenbekenntnis bleiben"

Österreichs Geflügelzüchter schlagen Alarm. Durch einen Preisverfall bei Eiern aus Bodenhaltung drohen große Produzenten nun damit, mit der Eierproduktion in Billigländer abzuwandern. Zudem gehe durch das Preisdumping die Motivation zum Umstieg auf alternative Haltungsformen verloren.

Der Preis für Bodenhaltungseier ist von 2003 auf 2005 um insgesamt 13 Prozent gefallen - von 2004 auf 2005 allein um 8 Prozent, berichtet das Agrarische Informationszentrum (AIZ). Nun sei zu befürchten, dass sich der Preis für Eier aus Bodenhaltung längerfristig auf einem Preisniveau einpendelt, zu dem auf Grund der hohen österreichischen Standards nicht produziert werden könne.

Umstieg

Der österreichische Lebensmittel-Einzelhandel hat laut Aussendung angekündigt, bis Jahresende nur mehr Eier aus alternativer Produktion zu vermarkten. Die Branche sei bemüht, den Umstieg auf alternative Haltungsformen so rasch wie möglich durchzuführen. Der Preisverfall bewirke jedoch genau das Gegenteil, denn durch das Preisdumping gehe die Motivation zum Umstieg verloren, teilten die Österreichische Frischeier Erzeugergemeinschaft Vertriebs-GmbH und die Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft mit.

Hintergrund ist, dass sich viele Betriebe auf Grund der gesetzlichen Vorgaben - also dem Käfighaltungsverbot ab 01.01.2009 - derzeit mitten in der Umstiegsphase befinden. Sie müssen massive Investitionen in Höhe von insgesamt 112 Mio. Euro tätigen, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht werden zu können.

Abwanderung und niedrige Standards

Die Geflügelwirtschaft befürchtet nun, dass viele Klein- und Mittelbetriebe die Umstellungsphase nicht überleben werden, sollte sich die Umstellung nicht - wie geplant - vorantreiben lassen. Große Betriebe hingegen würden in Billigproduktionsländer abwandern, wo Tierschutzstandards niedriger und Umweltauflagen weniger streng seien als hierzulande.

Für Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch ist diese Diskussion das eindeutig falsche Signal im Zusammenhang mit dem Tierschutz. "Die österreichische Landwirtschaft hat hier ihre Hausaufgaben auch im europäischen Vergleich vorbildlich erledigt und die Wünsche der Konsumenten erfüllt. Jetzt ist der Handel am Zug, seine Hausaufgaben ebenso zu machen. Und auch die Konsumenten müssen zeigen, dass gelebter Tierschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis bei Umfragen ist." (APA)

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