Glasüberdachung als lichtdurchlässiges Sonnenkraftwerk

2. Juni 2006, 16:53
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16.000 Kilowattstunden Strom im Jahr: Beim Bau eines Gemeindezentrums in Vorarlberg weltweit erstmals Solar-Modul-Technologie verwandt

Bregenz - Beim Bau eines neuen Gemeindezentrums in Ludesch (Bezirk Bludenz) ist erstmals eine weltweit neue Solar-Modul-Technologie zur Anwendung gekommen. Die verwendeten neuen Sonnenenergie-Bauteile müssen nicht mehr an vorhandenen Gebäudehüllen angebracht, sondern können direkt zur Gebäudeverglasung oder Fassadenverkleidung eingesetzt werden, informierte die Ertex Solar GmbH (Amstettten) als Produzent. So entstand in Ludesch eine 350 Quadratmeter große Hof-Überdachung, die pro Jahr Strom für fünf Durchschnitts-Haushalte erzeugen wird.

Solarzellen in Glasplatten

"Das von uns in mehrjähriger Forschungsarbeit entwickelte Fertigungsverfahren ermöglicht es, Photovoltaikmodule mit den gleichen Eigenschaften wie Verbundsicherheitsglas herzustellen", erklärte Ertex-Entwicklungsleiter Dieter Hornbacher. Solarzellen werden in Glasplatten eingekapselt und somit in eine hochwertige Außenhülle bzw. Überdachung integriert.

Die neue Technologie wurde im Juni vergangenen Jahres auf der Fachmesse "Intersolar" erstmals präsentiert und mit dem Energy Globe Austria Award 2005 (Kategorie Feuer) ausgezeichnet. Das Bauprojekt Gemeindezentrum Ludesch erhielt den Energy Globe Vorarlberg 2005.

Das am Donnerstag eröffnete Gemeindezentrum der 3.100-Einwohner-Gemeinde Ludesch wurde in Passivhaus-Bauweise errichtet und besteht aus drei Baukörpern, die von Architekt Hermann Kaufmann um einen zentralen Platz angeordnet wurden. Darin beherbergt werden neben der Verwaltung unter anderem das Postamt und auch eine Bücherei.

Umweltfreundlicher Strom

Der Hof wird von einem 350 Quadratmeter großen Glasdach geschützt, das gleichzeitig ein lichtdurchlässiges Sonnenkraftwerk ist. Die Gestaltung der Module richtete sich hinsichtlich der Größe und Anordnung der verwendeten Solarzellen nach den örtlichen Anforderungen. "Das Photovoltaikdach erfüllt letztlich drei Funktionen gleichzeitig: Es beschattet den Platz, dient dem Witterungsschutz des Holzes und erzeugt umweltfreundlichen Strom", sagte Hornbacher.

Kapazität

Mit den insgesamt 120 je 2,4 Quadratmeter großen Modulen sollen bei einer Spitzenleistung von rund 17,5 Kilowatt jährlich etwa 16.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden - so viel, wie in etwa fünf Durchschnitts-Haushalte verbrauchen.

Die Gesamtkosten für die Photovoltaikanlage bezifferte der Entwicklungsleiter mit 299.000 Euro, davon sei aber mindestens die Hälfte durch Kostensynergien gedeckt. Hornbacher verwies dabei speziell auf die entfallenden Kosten für eine konventionelle Verglasung und notwendige Verschattungseinrichtungen. Die Einspeisung des erzeugten Stroms in das Netz der Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW) werde mit jährlich 11.000 Euro vergütet. (APA)

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    Die Glasüberdachung des Gemeindezentrums von Ludesch in Vorarlberg wurde als lichtdurchlässiges Sonnenkraftwerk ausgeführt.

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