"Rückstand wird größer werden"

7. Juni 2006, 11:50
15 Postings

Entwicklungen bei ande­ren Teams schreiten stärker voran - Toro-Rosso Mitbesitzer Gerhard Berger im Interview

Monte Carlo - Gerhard Berger ist seit etwas mehr als drei Monaten Teambesitzer in der Formel 1. Ebenso wie sein Freund und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hält der zehnfache Grand-Prix-Sieger 50 Prozent an der Scuderia Toro Rosso. Das Minardi-Nachfolgeteam hat mit gedrosselten V10-Motoren den Anschluss an das Mittelfeld bereits weitgehend geschafft. Vor dem Grand Prix von Monaco sprach Berger mit der APA - Austria Presse Agentur über Neid, Politik und seine Wahl-Heimat.

Die vergangenen Resultate von Toro Rosso waren nicht überdurchschnittlich. Ist die Diskussion um den Einsatz von V10-Motoren damit endgültig abgeflaut?

"Man muss immer darauf achten, wer diese Diskussionen führt. Das sind genau diese Leute, die vor dem Saisonstart gesagt haben, dass wir am Start regelmäßig zehn Plätze gutmachen. Das ist blanker Neid, eine ernsthafte Diskussion war das eigentlich nie. Vielmehr wurde damit Politik betrieben. Dabei hat die FIA bei der Reglementierung unserer Motoren einen guten Job gemacht."

Zuletzt hat es sogar von Michael Schumacher Lob gegeben. Ist Toro Rosso auf dem richtigen Weg?

"Was die Standfestigkeit, unseren Auftritt und die Resultate betrifft, haben wir unsere Erwartungen sogar übertroffen. Die Leistung ist in Ordnung. Jetzt dürfen wir im zweiten Halbjahr nicht abfallen, sondern wollen diesen Level halten. Große Fortschritte sind aber nicht zu erwarten, denn die V8-Motoren der anderen Teams werden im Vergleich zu unseren Zehnzylindern noch weiterentwickelt. Der Rückstand wird eher größer werden, denn die großen Werke legen jetzt stark zu."

Wie sehen dann die Ziele für Monaco aus?

"Im Qualifying werden wir von unserer Leistungsfähigkeit her wieder um die Plätze 18, 19 und 20 mitfahren. Mehr kann man derzeit nicht erwarten. In Monaco kann aber sehr viel passieren. Das Chaos in der Qualifikation kann für uns auch positiv sein."

Sie leben seit fast 20 Jahren in Monte Carlo. Der Grand Prix ist stets mit viel Spektakel verbunden. Lenkt das einen jungen Fahrer ab?

"Zum Teil schon, aber das Spektakel gehört zu Monte Carlo dazu. Es lenkt ab, aber damit muss man fertig werden. In Monaco herrscht immer noch ein gewisses Flair und ein gewisses Klima. Die schönste Zeit hier ist aber ohnehin, wenn kein Grand Prix stattfindet - im September, Oktober, November."

Sie waren Pilot und Teamchef. Wie fällt nach dreieinhalb Monaten ihre Bilanz als Formel 1-Teambesitzer aus?

"Es ist etwas ganz Anderes. Ich bin nicht direkt am Geschehen beteiligt, will als Unternehmer aber das Beste für mein Team. Natürlich versuche ich mich mit meiner Erfahrung einzubringen, aber ich werde weiterhin nicht bei jedem Grand Prix in der Box sein und sämtliche Entscheidungen treffen. Dafür gibt es andere gute Leute."

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Was die Standfestigkeit, unseren Auftritt und die Resultate betrifft, haben wir unsere Erwartungen sogar übertroffen."

Share if you care.