"Europa hat alles getan, was es konnte und sollte"

6. Juni 2006, 17:01
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Lula und Chirac schieben den USA Verantwortung für Stagnation der Doha-Runde zu - Lobende Worte für Morales

Brasilia - Frankreich und Brasilien haben die USA für die Stagnation bei den Gesprächen der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels verantwortlich gemacht. Europa habe alles getan, "was es konnte und sollte", meinte der französische Präsident Jacques Chirac nach einem Treffen mit Brasiliens Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilia.

Die USA wollten im Gegensatz zu Frankreich nichts ändern, sagte Chirac. Er rief die ärmeren Länder auf, Druck auf Washington auszuüben, damit die USA die Agrarsubventionen abbauen. Der frühere Gewerkschaftsführer Lula warf den USA fehlenden Willen vor. "Die Entscheidung ist nun politischer, nicht mehr wirtschaftlicher Natur. Und nur die Führer (der Länder) können eine solche Entscheidung treffen", erklärte er.

Lobende Worte für Morales

Sowohl Lula als auch Chirac fanden außerdem lobende Worte für den neuen Staatschef von Bolivien, Evo Morales, der jüngst eine umstrittene Verstaatlichung der Erdgasvorkommen im Andenland verkündet hatte. Unter anderen waren Unternehmen aus Brasilien und Frankreich betroffen. Morales habe mit seiner Maßnahme ein leidendes Volk geehrt, sagte Chirac.

Die beiden Präsidenten unterzeichneten eine Reihe bilateraler Abkommen und Erklärungen. Wichtigstes Dokument war nach Meinung von Lula eine Absichtserklärung zur Förderung von Biokraftstoffen, unter anderem durch Zusammenarbeit mit ärmeren Ländern Afrikas und der Karibik. Beim nächsten G-8-Treffen in Russland wollen beide Länder ihr Energieprojekt den reichsten Nationen der Erde vorstellen. Dabei solle die Gründung eines Sonderfonds vorgeschlagen werden, hieß es.

Verdoppelung des Handelsaustausches bis 2010

Beide Länder vereinbarten auch eine Verdoppelung des Handelsaustausches bis 2010. "Brasilien ist eines der Länder, das in den nächsten Jahrzehnten die Weltwirtschaft beherrschen wird", sagte Chirac. Nach dem knapp zweitägigen Brasilien-Besuch stand für die französische Delegation mit mehreren Ministern, Abgeordneten und Spitzenunternehmern am Freitag der Weiterflug nach Chile auf dem Programm. (APA/dpa)

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