Bush und Blair gestehen Fehler ein

1. Juni 2006, 07:32
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US-Präsident: Abu Ghraib "der größte Fehler" - Britischer Premier: "Iraker wollen keinen Abzug der Koalitionstruppen"

Washington - US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair haben Fehler im Irak-Krieg eingestanden. Dennoch sei die Entscheidung zum Sturz Saddam Husseins und für die Demokratisierung des Landes richtig gewesen, verteidigten Bush und Blair am Donnerstagabend in Washington ihr Vorgehen. "Wir haben das Richtige getan", sagte Bush, der die Misshandlungen im US-Militärgefängnis Abu Ghraib als "größten Fehler" bezeichnete.

Stabilisierung und nationale Versöhnung

Die Truppen der Koalition würden so lange im Irak bleiben, bis die irakische Regierung selbst für die Sicherheit des Landes garantieren könne. Mit der Regierungsbildung in Bagdad befinde sich der Irak auf einem guten Weg zu Stabilisierung und nationaler Versöhnung, betonte Bush. Auch wenn in den drei schwierigen Jahren, "in denen nicht alles so war, wie wir es erwartet und erhofft haben", mache nun das ehrgeizige Programm des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki Hoffnung auf eine positive Entwicklung, sagte Bush auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Blair im Weißen Haus.

Abu Ghraib "der größte Fehler"

"Unabhängig von Rückschlägen und Fehltritten bin ich fest davon überzeugt, dass wir das Richtige getan haben", meinte der US-Präsident. Die Misshandlungen im US-Militärgefängnis von Abu Ghraib seien "der größte Fehler" gewesen, den die USA im Irak gemacht hätten. "Wir werden dafür noch lange zahlen müssen". Er habe zudem gelernt, mit Worten vorsichtiger zu sein, antwortete Bush auf die Frage nach den Fehlern, die er am meisten bedaure. Manche Formulierungen - wie "tot oder lebendig" im Zusammenhang mit der Jagd nach Terroristen - seien in manchen Teilen der Welt "missverstanden" worden.

Blair betonte, dass kein politischer Führer im Irak einen raschen Abzug der Koalitionstruppen wünsche. "Nicht einer der gewählten politischen Führer der verschiedenen Gruppen will, dass wir jetzt gehen", sagte Blair. Zunächst einmal gehe es darum, dass die irakischen Sicherheitskräfte selbst die Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen könnten. "Die Herausforderung bleibt enorm", betonte der britische Premier.

Fortschritte

"Es wäre töricht, zu sagen, es gebe keine Probleme mit dem Militär und der Polizei im Irak." Aber dennoch seien die Fortschritte beeindruckend und ermutigend. Die beiden Politiker, die in ihren Heimatländern nicht zuletzt wegen ihrer Irak-Politik mit sinkenden Umfragewerten konfrontiert sind, nannten auf Fragen keinen Zeitplan für den Abzug der Truppen aus den USA, Großbritannien und den anderen Koalitionsländern. Das richte sich nach den Fortschritten im Irak.

Al-Maliki zufolge sind die irakischen Sicherheitskräfte in 18 Monaten in der Lage, für Sicherheit im Land zu sorgen. Weder Bush noch Blair wollten sich am Donnerstag dazu äußern, wann sie als Konsequenz daraus ihre Truppen aus dem Irak abziehen könnten. "Wir werden mit unseren Partnern im Irak zusammenarbeiten", erklärte Bush lediglich. Das Ziel sei weiterhin "ein Irak, der sich selbst regieren, aufrechterhalten und verteidigen kann".

Über 2.460 US-Soldaten getötet

Medienberichten zufolge hofft das US-Verteidigungsministerium, bis zum Jahresende rund 30.000 seiner derzeit 131.000 Soldaten im Irak nach Hause holen zu können. Washington werde so viele Soldaten im Irak behalten, "wie notwendig sind, um zu gewinnen", sagte Bush dazu. Seit Kriegsbeginn vor drei Jahren sind mindestens 2.460 amerikanische und 106 britische Soldaten im Irak getötet worden. (APA/dpa/AP/Reuters)

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    Blair und Bush: "Es wäre töricht, zu sagen, es gebe keine Probleme"

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