Kopf des Tages:Geheimnisvoller Brauner narrt seine Jäger

26. Juni 2006, 17:29
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Braunbär "Bruno" hat es sich mit der Öffentlichkeit verscherzt

Was ist seit rund einem Monat der Unterschied zwischen "Mausi" und "Bruno"? - "Mausi" Christina Lugner drängt, wo sie nur kann, in die Öffentlichkeit, hat aber derzeit eine verschwindende Medienquote gegenüber dem Braunbären "Bruno", der sich äußerst bedeckt hält.

Nicht einmal sein Name "Bruno" ist gesichert, den hat ihm das Volk nach entsprechenden Boulevardmeldungen verpasst. Die Experten vom "World Wide Fund for Nature" (WWF) haben auch Wochen nach den ersten Spuren des mehrfachen Grenzgängers dessen Identität noch nicht feststellen können.

Im Gespräch ist, er könnte ein Bruder von "JJ2" sein: Mit einem derart technokratischen Namen haben sie ein zweieinhalb Jahre altes Männchen versehen, das zu einem so genannten Bärenansiedlungsprogramm im italienischen Trentino gehört. Da passt "Bruno" schon besser, ist der Name doch aus dem Althochdeutschen und bedeutet "der Braune", wie man damals einen Bären nannte.


Geplünderte Bienenstöcke, gerissene Schafe

"Brun" war ja auch einer der Beinamen des nordischen Hauptgotts Odin; und Götter sieht man selten, man spürt ihr Wirken. So hält es auch "Bruno": Geplünderte Bienenstöcke und gerissene Schafe markierten seinen Weg vom Trentino über Tirol und Vorarlberg bis ins Bayerische. Von der Vogelgrippe scheint er keine Ahnung zu haben, denn bevor er sich wieder nach Österreich trollte, drang er in einer Siedlung in einen Hühnerstall ein und riss dort ein paar Hendln (so viel zum Schutz durch Stallpflicht).

"Bruno" jedenfalls hat es sich damit in der Öffentlichkeit verscherzt. Dieses Verhalten zeige, dass er keine bärentypische Menschenscheu habe und demnach zu gefährlich sei, um ihn frei umhertapsen zu lassen. Man will ihm nun tödliche Jägerschüsse auf den Pelz brennen - wozu man ihn allerdings erst finden müsste.

Tierschützer wollen das ohnehin nicht, Betäuben und in Gefilde bringen, wo er nichts Böses mehr anstellen kann, ist ihre Devise. Aber auch dafür müssten sie ihn zuerst stellen.

Die Suche geht also weiter: Menschen suchen Bruno, um ihn unschädlich zu machen, Bruno sucht ein Revier, in dem er von nachstellenden Menschen seine Ruhe hat. Moskauer Medien spotteten schon über die europäische Bärenangst und mutmaßten, der "listige Einzelkämpfer" wolle sowieso nach Russland, wo der Bär als Tier seit Jahrhunderten verehrt werde.

In diesem Fall wäre dem Braunen davon abzuraten, seine Route über Finnland zu suchen. Dort nämlich hat vor wenigen Tagen eine couragierte Frau eine Bärin, die sie attackiert hatte, mit ein paar Fußtritten in die Flucht geschlagen.

Wenigstens eine Gemeinsamkeit zwischen "Mausi" und "Bruno": Das ist, soweit bisher bekannt, beiden noch nicht passiert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.5.2006)

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