Autostrade will nach Osteuropa

8. Juni 2006, 15:47
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Autobahnbetreiber wälzt ehrgeizige Expansions-Pläne nach Fusion mit Abertis

Rund 15 Milliarden Euro stehen dem künftigen Duo Autostrade-Abertis zur Verfügung, um die Position als weltweit größter Autobahnbetreiber auszubauen. Investiert soll nicht nur in Italien, sondern auch im Ausland werden. Wie aus Unternehmenskreisen zu vernehmen ist, plant der neue Autobahnriese, sich an der Erweiterung des Autobahnnetzes in Polen wie auch an der künftigen Privatisierung in Deutschland zu beteiligen.

"Wir haben unsere internationale Erfahrung in Österreich gestartet. Wir könnten uns ohne weiteres vorstellen mit einem österreichischen Partner künftig in Osteuropa vorzugehen", heißt es im Unternehmen, das von der Benetton Familienholding Edizione Holding kontrolliert wird. Bekanntlich war die Autostrade vor knapp einem Jahr aus dem Mauteintreiber Europass ausgestiegen und hatte dafür laut Unternehmenskreisen eine "fürstliche Abfindung" erhalten.

Genehmigung steht noch aus

Vorerst muss die Fusion Autostrade-Abertis noch genehmigt werden. Die erst seit Wochenbeginn amtierende Regierung hat zwar einige Widerstände gezeigt, allerdings dürften diese mehr formaler Natur sein. Bei Autostrade zeigt man sich zuversichtlich, dass die Fusion - wie geplant - bei der für 30. Juni angesetzten Hauptversammlung abgesegnet und ab Jahresende in Kraft treten wird.

Zwar hat die erst 1999 privatisierte Gesellschaft nicht ihr Investitionssoll erfüllt. Statt der zehn Mrd. Euro wurden nur acht Mrd. investiert. Grund dafür seien vor allem bürokratische Hürden gewesen, heißt es im Unternehmen. In Zukunft sei der Konzern bereit, einen Großteil der zur Verfügung stehenden 15 Mrd. Euro auch in Italien zu investieren. Bedingung sei, dass es sich "um konkrete Projekte" handle.

Autostrade ist zwar die wichtigste, aber nicht die einzige Beteiligung der Edizione Holding. Unternehmensgründer Luciano Benetton und seine Geschwister haben Ende der neunziger Jahre stark diversifiziert. Mit Autostrade und der Restaurationskette Autogrill sind die Benettons in 16 Ländern präsent. Beteiligungen bei Telecom Italia, bei den Flughäfen in Rom und Turin, aber auch bei Banken und Versicherungen haben aus dem einstigen Pullihersteller ein wirtschaftliches Schwergewicht gemacht. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.5.2006)

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