Tiroler Know-how für Kernfusion

28. Juni 2006, 11:02
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Der Kernfusionsreaktor Iter, dessen Errichtung nun fixiert wurde, ist auch für österreichische Firmen interessant - etwa für die Tiroler Plansee

Brüssel - Nach rund 40 Jahren Forschung ist der Startschuss für den Bau des weltweit ersten Kernfusions-Versuchsreaktors im großen Maßstab gefallen. Vertreter der EU, der USA, Russlands, Chinas, Indiens, Japans und Südkoreas unterzeichneten am Mittwoch in Brüssel ein Abkommen, das den Grundstein für den Bau des Versuchsreaktors Iter (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Cadarache im Südosten Frankreichs legt.

Die Kosten für die Errichtung liegen bei rund zehn Mrd. Dollar (7,8 Mrd. Euro). Der Fusionsreaktor - das größte Projekt wissenschaftlicher Zusammenarbeit weltweit - soll 2016 in Betrieb gehen.

Österreicher naschen mit

An dem Milliardenprojekt werden auch österreichische Forschungseinrichtungen und Unternehmen mitnaschen. In dem bereits bestehenden Forschungsnetzwerk sind die Akademie der Wissenschaften, die TU Wien und die Uni Graz eingebunden. Gut positioniert ist auch die Tiroler Firma Plansee, sagte der Leiter für die Fusion-Vereinbarung in der EU-Kommission, Yvan Capouet.

Die EU wird ab nächstem Jahr Aufträge von insgesamt 1,5 Mrd. Euro ausschreiben, davon 60 Mio. Euro 2007, knapp 100 Mio. Euro 2008 und 2009-2014 jeweils knapp 200 Mio. Euro. Interessierte Unternehmen können sich bereits seit März in eine Zuliefer-Datenbank im Internet (www.efda.org) eintragen.

Österreich sei vor allem in der Materialforschung führend, erklärte Capouet. Plansee etwa erzeugt aus Wolfram Innenverkleidungen für den Fusionsreaktor, die extrem hohen Temperaturen von 1.700 Grad standhalten können. Sie sollen an den exponiertesten Stellen im Fusionsreaktor eingesetzt werden, dort wo Randschichten des Plasmas mit Bauteilen in Berührung kommen ("Erste Wand" genannt). Außerdem entwickelt das Unternehmen Hochleistungswärmetauscher für Kernfusionsreaktoren. Seine Bauteile stecken bereits im bestehenden französischen Versuchsreaktor "Tore Supra".

International führend ist auch Böhler-Edelstahl in Kapfenberg, wo man Know-how für die Produktion von Stahl höchsten Reinheitsgrades und höchster Freiheit von Spurenelementen entwickelt hat.

Umweltschützer protestieren

Kritik kommt von Umweltschützern. Die Grünen im Europaparlament, Global 2000 und die internationale Organisation Friends of the Earth Europe bezeichneten Iter als Milliardenverschwendung und Angriff auf die österreichische Anti-Atom-Politik. Es sei "immer noch völlig unklar, ob die Kernfusion jemals technisch beherrschbar sein wird". Das Geld sollte besser in erneuerbare Energie investiert werden. (APA)

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    Das Modell des Kernfusionsreaktors Iter, der bis 2016 iin Cadarache nördlich von Marseille errichtet werden soll.

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