Würfeln als Gefahr für das Volk

27. Juli 2006, 13:09
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Geschichte des Glücksspiels zwischen Verbot und Steueraufkommen

Wien - Den Traum, ein todsicheres System beim Glücksspiel zu entwickeln, träumt die Menschheit seit ein paar Tausend Jahren. Und fast genau so lange zerbrechen sich die Zeitgenossen die Köpfe darüber, ob Glücksspiele nun eher gut oder eher schlecht für die Gesellschaft sind.

Beliebt schon in der Antike

Schon in der Antike waren Würfelspiele ungemein beliebt. Wobei "Würfel" etwas missverständlich ist: Nicht immer hatten sie sechs Seiten mit Augen. Von Pyramiden bis hin zu Buchstaben verzierten Vielseitern reichte das Spektrum. Beliebte Spielorte waren in der Römerzeit übrigens die öffentlichen Bäder - auch wenn man vor den Gesetzeshütern auf der Hut sein musste. Denn obwohl etwa den Kaisern Claudius und Nero ein Hang zum Glücksspiel nachgesagt wird, war das Würfeln offiziell verboten. Nur an den Saturnalien (Mitte bis Ende Dezember) war es gestattet.

Der schwierige Umgang mit dem Glücksspiel zieht sich auch durch das Mittelalter. Einmal als Steuerquelle willkommen, war es kurz darauf als Gefahr für die öffentliche Ordnung wieder verboten - zumindest für die unteren Schichten. Eine Trennung, die ab dem 17. und 18. Jahrhundert noch stärker wurde: Der vom Adel praktizierte Zeitvertreib wurde als nobles und gepflegtes "Hasardspiel" dargestellt. Die auf den Jahrmärkten gedroschenen Karten und geworfenen Würfel des gemeinen Volkes waren dagegen die gefährlichen Glücksspiele.

Fixe und öffentliche Spielhäuser gibt es auch schon länger - seit dem 14. Jahrhundert sind solche Einrichtungen in Holland nachgewiesen. In Venedig wurde 1638 mit dem Sala del Ridotto ein erstes Kasino im heutigen Sinn eröffnet.

Automaten aus den USA

Automaten als Spielgeräte setzten sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts von den USA und Großbritannien aus kommend in Kontinentaleuropa durch. Geld gab es ursprünglich selten zu gewinnen. Die Automatenbetreiber - meist Wirte - spendierten Gewinnern lieber Naturalien. (moe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.5.2006)

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