Das Leder rollt

4. Juli 2006, 21:39
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Schutzlos bleiben in naher Zukunft all jene, die keinen Fußball sehen wollen ...

Dass es bis zur Fußball-WM nicht mehr weit ist, merkt man spätestens am Überhandnehmen der unnützen televisionären Begleitmusik. Fast täglich "unterhalten" Shows mit den "Zehn spektakulärsten Fußballmomenten", mit "unsere Besten - Fußballer", "informieren" Dokus über die "Faszination Fußball".

Dahinter steht die alleinige Hoffnung, aus dem Spektakel das Quotenmaximum herauszuholen. Dass die Euphorie ihre Grenzen findet, wurde beim Spiel zwischen Österreich und Kroatien deutlich: Bis zu 650.000 schauten, wahrhaft keine umwerfende Performance. Aber weil Österreich die WM ohnehin auslässt (klingt besser!), wird die Quote ab 9. Juni schon stimmen, werden wir nach drei, vier Tagen von einhelliger WM-Begeisterung (sogar Frauen schauen zu!) lesen können. Vor wahrer Begeisterung gibt es kein Entrinnen.

Schutzlos

Schutzlos bleiben auch jene, die keinen Fußball sehen wollen. Erstens, weil sie sich voraussichtlich von den Fußballbegeisterten als nicht ganz normal betrachtet fühlen müssen. Zweitens, weil das Fernsehen keine Alternative bietet: Die Aufmerksamkeit konzentriert sich aufs Leder. Das übrige Programm ist dem Programmmacher für die Dauer der WM powidl.

Einen Vorgeschmack darauf lieferte der ORF mit besagtem Kroatien-Spiel: Die Gegenprogrammierung bestand in einer dümmlichen Komödie, der "Report" begann erst um 21.50 Uhr, mit 483.000 Zuschauern übrigens. Futter für den Stiftungsrat, der die quotenschwachen Informationssendungen demnächst thematisieren will. (prie/DER STANDARD, Printausgabe, 26.5.2006)

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