Du bist Salzburg oder doch nicht?

30. Mai 2006, 16:02
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Heute fällt das Interview für du bist Salzburg etwas anders aus. Mein Wohnheim Kollege Ethem hat sich die Zeit genommen, um mit mir über Integration und sein Leben als Türke in Salzburg zu sprechen. Dieses Interview war auch für mich eine neue Erfahrung, weil es das bisher persönlichste war.

Wo? Haus Paracelsus
Wer? Student

Der Name ist bitte? Ethem Kambureloglu

Das schreib ich dann vom Briefkasten ab.
Ja das ist kein Problem.

Was studierst du genau?
Molekulare Biowissenschaften.

Aha…
Wie bist du ausgerechnet auf Molekularbiologie gekommen?
Es war so, meine Eltern wohnen in Linz und sie wollten, dass ich in Linz studiere, jetzt habe ich angefangen, Informatik zu studieren in Linz, aber das war halt nicht so mein Ding und bei der Molekularbiologie ist ein Teil in Linz zu absolvieren und da war es irgendwie leichter, meine Eltern zu überreden, dass ich die Studienrichtung ändere. Ist eine coole Antwort gell?
Voll!

Wie geht es dir beim Studium, du bist ja in einem Zweig der nicht so überfüllt ist?
Nein wir sind nicht so viele. Wir haben mit 50 Leuten angefangen dieses Semester, und jetzt sind es nur noch 30, aber mir gefällt es. Es ist interessant, auch weil man die Leute kennt.

Wie lange bist du jetzt schon Österreich?
Ich bin zwar in Österreich geboren, bin aber mit zwölf Jahren in die Türkei gezogen, weil meine Eltern wollten nun mal, dass ich einen Teil der Schule in der Türkei gehe, weil ich auch die türkische Kultur und Sprache lernen sollte. Ich hab dann die Matura unten in der Türkei gemacht und mit 20 Jahren bin ich wieder nach Österreich zurückgezogen, um zu studieren. Jetzt bin ich ungefähr zwei Jahre in Österreich, in Salzburg.

Wie gefällt es dir in Salzburg so?
Eigentlich voll schön, klein, nett. Menschen sind auch viele in der Stadt, weil es eine Touristenstadt ist.

Meine Lieblingsfrage: Welche Touristen sind dir die Liebsten?
Ich habe nicht soviel mit Touristen zu tun, aber Österreicher sind hier auch nett, weil ich glaube, die Salzburger sind mehr offen für andere Kulturen, nicht so wie in Linz oder anderen Städten.

Was sagst du dazu, dass ausländische Studenten jetzt einen gewissen ‚Reichtum’ nachweisen müssen, um studieren zu können?
Das finde ich unfair, das glaube ich kann nicht einmal ein österreichischer Student nachweisen. Ich glaube, die wollen die ganzen Leute wieder zurück nachhause schicken. Die haben es nämlich sowieso schwer. Die haben keine Familie da, die müssen alles selbst finanzieren und alleine zurechtkommen. Es ist sowieso schwer für sie und wenn es der Staat auch noch so schwer macht, ist das nicht fair.

Was sagst du zur Migrantenfrage?
Also ich denke, dass das von beiden Seiten abhängt. Nicht nur, dass sich die Türken nicht integrieren wollen, sondern auch, dass die Österreicher Vorurteile haben.

Inwiefern?
Ja wenn du ein kleines Kind draußen siehst, wird das zur Seite genommen und gesagt: ‚Das ist ein Türke der ist böse!’ Das ist eigentlich immer schon so gewesen.

Wie geht es dir als Türke in Österreich?
Ja jetzt ziemlich gut. Ich habe einen österreichischen Freundeskreis, also ich habe kein Problem damit. Aber das ist auch, weil ich im Studentenheim wohne und mehr Kontakt mit Österreichern habe. Wie ich noch in Traun war, ja da bestand mein Freundeskreis auch nur aus Türken und nicht sehr viel Kontakt zu Österreichern hatte. Und je älter man wird, umso größer wird die Distanz.

Wie geht es dir mit der deutschen Sprache?
Besser als früher. Wir haben im Heim so viele nette Leute. Die Anita die hilft mir da immer und deswegen habe ich jetzt nicht mehr so viele Probleme wie früher. Weil ich trau mich immer, dass ich die Anita frage ,Was ist das? Kannst du mir das bitte erklären?’ oder sie bessert mich aus und das finde ich wirklich gut so. Wenn jeder Österreicher wie die Anita wäre, dann wäre das glaube ich kein Problem mit der Integration in Österreich.

Haha!
Das schreibst du so! Du kannst wirklich schreiben, dass es Leute gibt, die nicht solche Vorurteile haben und dass das hilft. Das hat mir richtig viel gebracht, dass ich im Wohnheim bin und dass mich die Leute so gut aufgenommen haben.

Hast du noch Probleme mit der österreichischen Kultur?
Nein! Ich trinke gerne, ich gehe gerne fort… (lacht) Also ich habe mich schon voll eingelebt in Österreich.

Merkst du eigentlich unterschiede zwischen Österreichern und Türken?
Es gibt auch Unterschiede zwischen Türken die hier geboren und aufgewachsen sind und denen die später gekommen sind.

Echt?
Ja, ich finde, da ist schon ein großer Unterschied.

Erzähl! Ich hab davon keine Ahnung…
Die, die hier aufgewachsen sind, haben mehr die österreichische Kultur. Und vielleicht weil ich viele Jahre in der Türkei war, verstehe ich mich mit den Türken besser, die nur zum Studieren gekommen sind. Türken und Österreicher kann man nicht vergleichen, das ist eine ganz andere Mentalität und Struktur.

Was magst du an Österreich?
In der Türkei herrscht ein Mangel an blonden, blauäugigen Frauen und Österreich hat da kein Problem damit.

Letzte Worte?
Danke für das Interview, es war nett mit dir zu sprechen.

(mar)

  • Darf ich vorstellen Ethem Kambureloglu
    red (mar)

    Darf ich vorstellen Ethem Kambureloglu

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