Destruktives Dekorationsobjekt

1. Juni 2006, 18:59
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Elke Krystufek präsentierte sich im Grazer Kunsthaus als Künstlerin mit Starallüren

Graz - Elke Krystufek, Selbstdarstellerin mit Hang zum Exhibitionismus, nahm das Thema des Kunsthaus-Jour-fixe am Dienstagabend, nämlich "Künstler als Stars", ein wenig zu wörtlich: Sie beschied sich, den exaltierten Star zu mimen. Denn sie erschien im grellbunten Minirock-Outfit - die mitunter provokante Sitzhaltung gewährte dem amüsierten Publikum Sharon- Stone-artige Einblicke - und beteiligte sich nicht wirklich an der von STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl moderierten Diskussion. Das war aber konsequent: Schließlich schafft Krystufek Kunstwerke, die für sich selbst sprechen.

Als bloßes "Dekorationsobjekt" wollte sie aber dann doch nicht fungieren: Krystufek nahm jede Gelegenheit wahr, destruktiv zu sein - und grinste schelmisch, wenn ihr wieder ein Treffer gelungen war. Ihr einziges Interesse galt der Höhe des Honorars (dem Vernehmen nach 300 Euro), und sie filmte alles lustig mit: Sie wird das Material wohl recht Gewinn bringend verwerten.

Der internationale Star des Abends, der Bildhauer Franz West, glänzte zwar durch Abwesenheit: Er hatte kurzfristig abgesagt. Doch Droschl-Autorin Clarissa Stadler, ab dem Herbst wieder "ZiB"-Kulturmoderatorin, und Herbert Lachmayer versuchten, sich nicht allzu sehr aus dem Konzept bringen zu lassen. Der Kurator der Mozart-Ausstellung in der Albertina arbeitete zum Beispiel mit viel Wortwitz Unterschiede zwischen dem Künstlerstar des 18. Jahrhunderts und der Gegenwart heraus: Mozart sei kein romantisches Künstlergenie gewesen, sondern Auftragnehmer - und mithin Symbolproduzent für das höfische Leben. Heute hingegen hätten Stars eine öffentliche Funktion.

Stadler hielt dagegen, dass die Unterschiede nicht so groß seien: Stars seien immer Dienstleister. Und auch am Hof gab es die nötige Seitenblicke-Gesellschaft mit Mausi Lugners zuhauf. Selbst "Produktionsstrategien", die in der Gegenwart dominant scheinen (Ziel der Kunststudenten sei es von Beginn an, Netzwerke zu bilden und mit Kuratoren in Kontakt zu kommen), gab es damals: Die Vermarktung Mozarts als Wunderkind funktionierte ja prächtig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.5.2006)

Von Thomas Trenkler
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