Deluxe Music: "Kein Lakai des Mainstreams"

4. Juli 2006, 22:10
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Markus Langemann will in Wien nicht nur mit Lounge FM Radio machen, mit weichgespültem Musikfernsehen versucht er, in die Kabelnetze zu kommen

Markus Langemann will in Wien nicht nur mit Lounge FM Radio machen. Mit weichgespültem Musikfernsehen für Erwachsene versucht er, in die Kabelnetze zu kommen und überlegt längerfristig Werbefenster.

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DER STANDARD: Herr Langemann, warum wollen Sie partout nach Österreich? Um Lokalradio für Linz haben Sie sich beworben, die Behörde hat Ihnen Radio Arabella vorgezogen. Derzeit bewerben Sie sich um Wien, die Konkurrenz ist, vorsichtig gesprochen, hart.

Langemann: Erstens, verstehe ich mich als Europäer. Alle meine Unternehmungen sind im Grundsatz europäisch ausgerichtet. Zweitens hat Österreich ein sehr großes Kreativpotential, viele Innovationen und Managementleistungen im Medienbereich kamen und kommen aus Österreich. Beide Tatsachen sind Verpflichtung und Ansporn zugleich. Drittens bin ich von meinen Partnern nach Österreich eingeladen worden. Dieser Einladung folge ich gerne. Die Konkurrenz ist respektabel, aber die bessere Idee ist der Feind der Guten.

DER STANDARD: Ihr Hauptbetätigungsfeld ist das Musikfernsehen Deluxe. Sie haben diese Woche einen Tourbus nach Wien geschippert, um ihren Sender vorzustellen. Wozu das denn bei diesem Minimarkt?

Langemann: Wir erhalten schon jetzt sehr, sehr viel positives Feedback aus Österreich. Wir haben uns den Markt angesehen und sein großes Potenzial erkannt, daher halten wir ihn für ausbaubar. Es gibt kein Musikfernsehen für die erwachsene Zielgruppe in Österreich. Das ist Grund genug.

DER STANDARD: Sie wollen in Kabelnetze - gibt es schon Signale, ob die Kabelnetze auch wollen? UPC Telekabel klingt auf unsere Anfrage nicht abgeneigt, sieht aber nur Chancen in ihrem digitalen Programmpaket und nicht unter den gewohnten analogen Kanälen.

Langemann: Wir sind derzeit mit vielen Kabelnetzbetreibern europaweit im Gespräch. Das Feedback der Netzbetreiber ist äußerst positiv, da sich viele Zuschauer nach Programmqualität sehnen. Da sind wir eine mögliche Adresse. Wir freuen uns auf die Gespräche mit UPC. Auch deswegen sind wir in Wien.

DER STANDARD: Sie überlegen längerfristig Werbefenster für Österreich - lohnt das bei einem Spartensender, der in einem ohnehin kleinen Land wohl kaum über Minireichweiten hinauskommen wird?

Langemann: Wir produzieren Musikfernsehen für das größte demografische Marktsegment: die Erwachsenen. Die Nischen überlassen wir den Großen. Unternehmerisch definieren wir den Erfolg über Rentabilität und nicht in erster Linie über Reichweiten. Das wird leider oft verwechselt. Für unsere Werbekunden ist die Effizienz wichtig: Die Qualität der Kontakte ist deshalb entscheidend nicht nur die Quantität.

DER STANDARD: Gäbe es Synergien zwischen einem Wiener Lounge FM und Radio Deluxe?

Langemann: Nein, genauso wenig wie es Synergien zwischen Puma und Boss gibt. Lounge FM ist feinste Maßanfertigung für Wien. Modern und intelligent. Innovativ und lässig. Strapazierfähig und pflegeleicht. Allein der Schneider ist identisch.

DER STANDARD: Wie beurteilen Sie - tunlichst realistisch - Ihre Chancen auf die Frequenz? Zwei Mitbewerber haben starken Rückenwind aus Regierungsparteien.

Langemann: Eine Kulturmetropole wie Wien hat ein innovatives, intelligentes und kommerziell tragfähiges Hörfunkprogramm verdient. Ich habe den Entscheider in der KommAustria als mutigen und klugen Kopf kennen gelernt. Der Entscheider hat sicher kein Interesse als Handlanger der Politik, Terminator der kulturellen Wiener-Vielfalt oder Lakai des Mainstreams in die österreichische Mediengeschichte einzugehen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass er sich für internationale Kompetenz, Kreativität und nachhaltige Kontinuität entscheidet. Rückenwind brauchen Radfahrer, die nicht gut genug trainiert sind. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.5.2006)

Zur Person

Langemann (42) erfand in den 90ern die Radioshow "Langemann & die Morgencrew" und die "Bully Herbig Show" für ProSieben. Heute betreibt er Deluxe Music, "Wohlfühl"-Musikfernsehen über Satellit von Whitney Houston bis Diana Krall für Menschen zwischen 25 und 55 in Europa und den USA, Asien ist angedacht.

Die Fragen stellte Harald Fidler.

  • "Rückenwind brauchen Radfahrer, die nicht gut genug trainiert sind": Langemann
über die politisch unterstützte Konkurrenz um die Wiener Radiolizenz.
    foto: deluxe music

    "Rückenwind brauchen Radfahrer, die nicht gut genug trainiert sind": Langemann über die politisch unterstützte Konkurrenz um die Wiener Radiolizenz.

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