Video von Milizenführer Kony weckt Friedenshoffnung

2. Juli 2006, 18:31
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"Lord's Resistance Army" besteht hauptsächlich aus entführten Kindern

Kampala/Nairobi - Ein Video des mit internationalem Haftbefehl gesuchten Milizenführers Joseph Kony hat in Uganda neue Hoffnungen auf Friedensverhandlungen für den geschundenen Norden des Landes geweckt. Präsident Yoweri Museveni erneuerte am Donnerstag sein Angebot, dem Rebellenführer Sicherheit zu gewähren, wenn er freiwillig den Kampf aufgebe und sich bis Ende Juli den Behörden stelle. "Kony soll aus dem Busch kommen, wenn er am Leben bleiben will. Um den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs kümmern wir uns später", sagte ein Regierungssprecher.

Auf dem Video, das von dem britischen Sender BBC gezeigt wurde, ist Kony in Uniform bei einem Treffen mit dem Vizepräsidenten des Südsudans, Riek Machar, zu sehen. Machar bot sich als Vermittler zwischen Kony und Museveni an. In einer überraschenden Geste überreichte er Kony 20.000 Dollar (15 650 Euro) in bar, "um Lebensmittel zu kaufen". Die südsudanesische Rebellenarmee SPLA galt bisher als Feind der LRA-Miliz von Kony, da sie die ugandesische Regierung im Kampf gegen die LRA unterstützte.

"Ich wünsche mir Frieden"

"Ich bin kein Terrorist, ich wünsche mir Frieden", sagte Kony während des gefilmten Treffens, das Anfang Mai stattfand. "Wir kämpfen bloß für unser Recht." Die LRA (Widerstandsarmee des Herrn) terrorisiert seit zwei Jahrzehnten den Norden Ugandas, wo mittlerweile fast 90 Prozent der Bevölkerung in Flüchtlingslagern leben. Der Internationale Strafgerichtshof will Kony als mutmaßlichen Kriegsverbrecher vor Gericht stellen.

Außer dem Sturz des Präsidenten hat Kony kein erkennbares politisches Programm. Er stellt sich selbst als religiösen Führer dar, der Uganda angeblich nach den biblischen Zehn Geboten regieren will. Weiters gibt er an, von Geistern geführt zu werden. Seine Ideen enthalten auch Elemente aus dem afrikanischen Animismus und dem Islam. Konys Miliz besteht vor allem aus entführten Kindern, die zu grausamen Gewalttaten gezwungen werden, um sie gefügig zu machen. (APA/dpa)

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