Heftige Kritik an ÖIAG wegen Aufsichtsrat-Abberufung in Telekom

12. Juni 2006, 14:41
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Betriebsrat Kolek kritisiert "diktatorisches System" - Auch AT&S-Chef Harald Sommerer legte TA-Aufsichtsratsmandat zurück

Heftige Kritik an der Staatsholding ÖIAG, auf deren Druck gestern Ex-Sony-Austria-Chef Otto Zich den Telekom Austria-Aufsichtsrat verlassen musste, hat am Mittwoch der Betriebsrats-Chef der Telekom Austria (TA), Michael Kolek, geübt. "Wir nähern uns zunehmend einer Bananenrepublik: Jeder, der den Mund aufmacht, muss aus dem Aufsichtsrat raus", entrüstete sich Kolek im Gespräch mit der APA. Heute hat zudem auch AT&S-Vorstandsvorsitzender Harald Sommerer sein Mandat im TA-Aufsichtsrat zurückgelegt.

einsam

Die Vorgangsweise der ÖIAG erinnere an ein diktatorisches System, wo die ÖIAG-Vorstände Peter Michaelis und Rainer Wieltsch "einsame Entscheidungen" treffen und keine Kritik dulden würden, so Kolek, der seinem "großen Zorn" heute auch in einem Schreiben an Michaelis Ausdruck verliehen hat. Da stelle sich auch in Zeiten von BAWAG & Co die Frage, "ob man überhaupt ein Aufsichtsrat braucht". Von der ÖIAG war bisher auf APA-Anfrage kein Kommentar dazu erhältlich.

Die ÖIAG hatte gestern bei der TA-Hauptversammlung überraschend einen Antrag auf Abberufung des TA-Aufsichtsrats und Ex-Sony-Austria-Chef Otto Zich gestellt, nachdem dieser - als kritischer Hinterfrager der Personalpolitik und TA-Strategie bekannt - seinen Posten zuletzt nicht freiwillig räumen wollte. Ersetzt wurde Zich durch den Ex-Lutz-Geschäftsführer Hans Jörg Schelling. In Folge der Rochade hat heute zudem auch AT&S-Vorstandsvorsitzender Harald Sommerer sein Mandat zurückgelegt, wie er in einem Brief an den TA-Aufsichtsrat mitteilte.

Austausch

Auch im Aufsichtsrat der Austrian Airlines (AUA) sei zuletzt mit Martine Dornier-Tiefenthaler eine "kritische Dame" ausgetauscht worden, diese Vorgangsweise erinnere an einen "schleichenden Kommunismus" und sei "nicht nachvollziehbar", kritisierte Kolek. Bei Schelling müsse man zudem dessen Qualifikation für den TA-Aufsichtsrat hinterfragen - im Gegensatz zu Zich, der als Techniker und ehemaliger Sony Austria-Chef dafür sehr qualifiziert gewesen sei, meinte Kolek.

Kritik an der Vorgangsweise der ÖIAG hatte übrigens zuletzt auch Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger vom IVA geübt: Die ÖIAG habe "offenbar nichts anderes zu tun gehabt", als einen erfolgreichen Telekom Austria-Vorstand "zu mobben", anstatt rechtzeitig einen Nachfolger für Ex-AUA-Chef Vagn Sörensen zu finden, meinte Rasinger bei der AUA-Hauptversammlung. Der langjährige Generaldirektor der Telekom Austria (TA), Heinz Sundt (58), hatte gestern mit Ende der TA-Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Boris Nemsic (48) abgegeben.(APA)

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