"Juwel der Wissenschaft" eröffnet

28. Juni 2006, 11:02
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1999 von der Akademie der Wissenschaften gegründet, öffnete das Institut für Molekulare Biotechnologie am Campus Vienna Bio Center seine Pforten

Wien - Als "Juwel der Wissenschaft" bezeichnet der Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), Josef Penninger, das neue Life Sciences Zentrum der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Campus Vienna Bio Center. Das Gebäude für die beiden ÖAW-Einrichtungen IMBA und Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) wurde am Dienstag offiziell eröffnet. Es handle sich "um eines der modernsten Laborgebäude Europas", sagte ÖAW-Präsident Herbert Mang bei einer Pressekonferenz. Mit dem darin angesiedelten "Vienna Open Lab" öffnet es sich auch dem breiten Publikum.

Das neue Haus in der Dr. Bohr-Gasse in Wien-Landstraße befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und den Max Perutz-Laboratorien der Uni und Medizin-Uni Wien. Die Gesamtkosten für den von Architekt Boris Podrecca geplanten Bau mit einer Bruttogeschoßfläche von rund 20.000 Quadratmetern betrugen inklusive Ausstattung rund 64 Millionen Euro.

Neben Büros und Labors verfügt das Gebäude über einen Hörsaal und Spezialeinrichtungen wie eine pathogenfreie Zone, Wuchskammern und Gewächshäuser. Etwa fünf Siebentel der Nutzfläche werden vom IMBA genutzt, der Rest vom GMI. Insgesamt arbeiten rund 180 Personen an den beiden Instituten. Penninger betonte, dass sich sein Institut die Infrastruktur mit dem zum Pharma-Konzern Boehringer Ingelheim gehörenden IMP teile. Andernfalls hätte er zehn Jahre auf eine solche Infrastruktur warten müssen. Dafür habe Boehringer das "Recht auf erste Verhandlungen" für Patente und Entwicklungen aus dem IMBA.

Wunsch nach Ausbau des Campus

Einig waren sich bei der Pressekonferenz die Wissenschafter und der Architekt in ihrem Wunsch nach einer weiteren Ansiedlung von wissenschaftlichen Einrichtungen am Areal des ehemaligen Schlachthofs St. Marx. "Die Stadt Wien soll hier endlich wirklich einen Campus aufbauen und den wissenschaftlichen Fleckerlteppich wegbekommen", so Penninger, der sich Richtung Bund gegen eine Förderung von Forschungseinrichtungen "mit der Gießkanne" aussprach. "Ich habe nichts gegen Gießkannen, solange sie voll sind."

GMI-Chef Dieter Schweizer betonte, dass üblicherweise Pflanzenforschungsinstitute irgendwo auf der grünen Wiese angesiedelt würden. Dabei sei ein Bio-Campus ohne Pflanzeninstitut wie eine Wüste. "Wir sind nun mitten im Feindesland und wollen das ausnützen", so Schweizer. Die Architektur des neuen Gebäudes unterstütze die Interaktion, und in kürzester Zeit gebe es bereits gemeinsame Projekte zwischen IMBA und GMI.

Neues Publikumslabor

Im neuen Life Sciences Center ist auch das "Vienna Open Lab" untergebracht, eine gemeinsame Initiative des Vereins "dialog gentechnik" und des IMBA, die der Bevölkerung den molekularbiologischen Alltag näher bringen will, so Andrea Barta von "dialog gentechnik". Besucher können in dem Labor selbst Hand an die Pipette legen und unter fachkundiger Anleitung experimentieren. Es steht Kindern ab sechs Jahren sowie Jugendlichen und Erwachsenen nach Voranmeldungen für zwei- bis fünfstündige Praktika offen. Außerdem werden ganztägige Spezialpraktika und Lehrerfortbildungen angeboten. Dem "Open Lab" steht dafür ein Budget von 250.000 Euro zur Verfügung.

  • Josef Penninger.
    foto: günter r. artinger

    Josef Penninger.

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