Fußball, eine "homophobe Bastion"

9. Juni 2006, 12:48
46 Postings

Eine illustre Runde diskutierte in Wien das schwierige Verhältnis zwischen Fußball und Homosexualiät

Wien - Fußball und Homoxsexualität: Diesem Thema haben sich die Wiener Grünen in einer Diskussionsrunde gewidmet. Vor großer Regenbogenfahne sprachen zahlreiche Experten, darunter Ex-ÖFB-Teamchef Didi Constantini, über Homophobie im Sport, deren Bekämpfung und die Bedeutung des Ausdrucks "schwuler Pass". Schließlich sei der Fußball neben dem Bundesheer die letzte homophobe Bastion Österreichs, so Gemeinderat Marco Schreuder (G). Andererseits sehe er im Fernsehen nur noch beim Torjubel im Fußball zwei Männer, die sich küssen, bedauerte Schreuder, erster Rathausmandatar in Wien, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Constantinis Antwort: "Was heißt hier nur zwei?"

Nicht ein geouteter Spieler

Mit der Aussage: "Ich bin schwul und Fußballfan" lebe man in Fan-Kreisen gefährlich und ernte in der lesbischwulen Community Unverständnis, berichtete Schreuder am Dienstagabend im grün-weißen Rapid-Leiberl mit der Aufschrift "Fan vom anderen Ufer". Aber auch innerhalb der Mannschaft sei Homosexualität ein Tabuthema, bestätigte Constantini, derzeit Sportdirektor beim FC Superfund Pasching. In seiner Zeit als Trainer in Saudi-Arabien sei dies viel präsenter gewesen, da dort junge Männer schwerer in Kontakt mit Mädchen kämen. Ein Grund, weshalb es im Profibereich in Österreich nicht einen geouteten Spieler gebe, sei, dass dieser von den Fans - zumindest der gegnerischen Mannschaft - einem Spießrutenlauf ausgesetzt würde. "Ich glaube, das ganze Problem liegt in der Masse", sinnierte Constantini - als Einzelpersonen sei der Großteil der Fans "kuschelweich".

Kein Problembewusstsein

Allerdings würden Rufe wie "Oaschwarmer" und "schwuler Pass" von den Fußballfreunden of unreflektiert gebraucht, gab der Fankoordinator der Austria Wien, Martin Schwarzlantner, zu bedenken. Hier existiere im Gegensatz zum Rassismus noch kein Problembewusstsein. Von Erfahrungen aus Berlin berichtete Gert Eiserbeck, Polizist und Vorstand des lesbischwulen Hertha BSC-Fanclubs "Hertha-Junxx": Zwar habe es anfangs noch Anfeindungen gegeben. Nun säße man aber mit eigener Regenbogenfahne samt Hertha-Logo am Stammplatz im Stadion. Bei einer Frage zeigten sich die meisten Teilnehmer der Diskussion einig: Fußballern sollte das Ausziehen ihres Trikots beim Torjubel erlaubt bleiben (was derzeit mit einer Gelben Karte gestraft wird). Zum Ausklang des Abends versammelten sich die Diskutanten dann vor dem Fernseher zur Live-Übertragung des Länderspiels Österreich-Kroatien.(APA)

Share if you care.