Badelt fordert Recht auf Teilzeitstudium

20. Oktober 2006, 10:03
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Rektorenchef: Studierende sollen nur für Lehrveranstaltungen zahlen, die sie tatsächlich auch belegen - SPÖ begrüßt Vorstoß, ÖH sagt "vorsichtig ja"

Studierende sollten nur noch für jene Lehrveranstaltungen zahlen, die sie auch tatsächlich belegen, berufstätige Studierende sollten ein Recht auf ein Teilzeitstudium haben: Mit diesen Vorschlägen ließ Rektorenchef Christoph Badelt am Dienstag aufhorchen.

"Das hätte den Vorteil, dass der oder die Studierende das Studium rational planen können, dass die Universität die Kapazität besser planen könnte - und es hätte nebstbei gesprochen auch den Vorteil, dass wir in internationalen Statistiken Werte über die tatsächliche Studierendezahl und die tatsächliche Drop-Out Quote bekämen", erklärte der WU-Rektor in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten seinen Vorstoß.

System

Denn nicht alle inskribierten Studierenden würden auch tatsächlich jede Lehrveranstaltung absolvieren, für die sie sich noch zu Beginn des Semesters noch angemeldet haben. Allerdings sei dies auch durchaus im Sinne des Systems, das genau darauf aufbaue, stellt Badelt fest. Auch hätte die Wirtschaftsuni gar nicht die personellen und räumlichen Kapazitäten, um den Lehrbetrieb für alle Inskribierten durchzuführen.

Deshalb will es Badelt den Studierenden von vornherein freistellen, wie viele Lehrveranstaltungen sie pro Semester belegen wollen. "Und für die verpflichten sie sich dann und für die zahlen sie auch", so sein Vorschlag.

Studium und Beruf

Ein Problem sieht Badelt aber nicht nur darin, dass sich die Studierenden "übernehmen": "Faktum ist: Ein großter Teil der Studierenden ist schon aus materiellen Gründen berufstätig." Den Politikern wirft der Rektorenchef vor, sich vor diesem Thema zu drücken. Seine Forderung: "Entweder wir haben ein soziales System, wo die Studierenden eine ausreichende finanzielle Basis kriegen, dass sie Vollzeit studieren". So lange dies aber nicht gegeben sei, müsse man auf die Lage der Studierenden Rücksicht nehmen, etwa indem man ihnen ein Recht auf ein Teilzeitstudium einräume.

Ein positives Echo kam aus der SPÖ: "Wer länger studiert, soll nicht mehr zahlen müssen als jemand, der in kurzer Zeit mit dem Studium fertig ist", forderte Wissenschaftssprecher Joseph Broukal in einer Aussendung. Es dürften nicht jene bestraft werden, "die berufstätig sind und daher nur langsamer studieren können", so Broukal.

"Vorsichtiges Ja"

Ein "vorsichtiges Ja" gab es auch von Seiten der ÖH, allerdings seien "noch viele Fragen zu klären", erklärte ÖH-Vorsitzende Barbara Blaha in einer Aussendung. Schon jetzt würden 85 Prozent der Studierenden neben dem Studium arbeiten: "Haben sie alle Anspruch auf ein Teilzeitstudium?", so Blaha. Ihre Kollegin Rosa Nentwich-Bouchal wiederum wies auf mögliche Auswirkungen auf Familienbeihilfe oder Stipendium hin, da die Studierenden eine gewisse Zahl an Semesterwochenstunden nacchweisen müssen, um diese finanziellen Förderungen nicht zu verlieren. (sof)

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    Studierende sollten nur noch für jene Lehrveranstaltungen zahlen, die sie auch tatsächlich belegen, fordert Rektorenchef Christoph Badelt.

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