Weltall als Mission

24. Mai 2006, 11:31
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Die Französin Claudie Haigneré hat es auch ins All geschafft - Seit 1996 lässt sie ihre kosmische Mission nicht mehr los

Die Leidenschaft begann vor dem Fernseher. Gerade einmal zwölf Jahre alt, verfolgte Claudie Haigneré in ihrer Heimatstadt Creusot in Burgund die Mondlandung. Neil Armstrongs Satz: "Ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer für die Menschheit" wird sie sich merken, zwölf Jahre später für sich neu definieren. Denn 1985 suchte Frankreichs Weltrauminstitut CNES Wissenschafter. Haigneré, zu dieser Zeit bereits Ärztin mit Spezialisierung auf Rheumatologie und Neurologie, bewarb sich und wurde unter tausenden Bewerbungen ausgewählt. Von sieben Wissenschaftern war sie die einzige Frau.

"Ich hatte Glück", sagt sie. Damals begann sie, alles, was es über den Weltraum zu wissen gab, aufzusaugen. "Ich wollte nie besser als die Männer sein, nur bestmöglich", konstatiert sie. Konkurrenz mit Kollegen kennt sie nicht, im Gegenteil, alle hätten sie stets unterstützt - auch da habe sie Glück gehabt, sagt sie. 1992 war Haigneré noch Ersatz für ihren Kollegen und zukünftigen Ehemann Jean-Pierre Haigneré, 1996 startete ihre eigene Mission. Noch heute glänzen ihre Augen, wenn sie an die 16 Tage in der Raumfähre Cassiopeia denkt.

"Es hat keinen Sinn, wie Männer sein zu wollen"

Nach ihrem ersten Einsatz wurde die französische Kosmonautin schwanger, bekam eine Tochter und setzte ihr Training in Russland fort. 2001 unternahm sie ihre zweite Mission und stattete als erste Europäerin der Raumstation "Mir" einen Besuch ab. "Ich bin keine Abenteuerin, jedes Detail war geplant, es gab kein Risiko", sagt sie auf die Frage, ob sie sich auf ihrem zweiten Flug als Mutter anders fühlte. Außerdem habe sie sich glücklicherweise auf ihren Mann immer hundertprozentig verlassen können.

Nach ihrer zweiten Mission und der Rückkehr nach Paris beendete Haigneré ihre wissenschaftliche Laufbahn. Im Juni 2002 wurde sie parteilose Ministerin für Forschung und Neue Technologien unter Jean-Pierre Raffarin, von 2004 bis Mai 2005 war Haigneré Europaministerin. "Ich will Frauen ermutigen, sich als Wissenschafterinnen zu engagieren, denn die Türen stehen weit offen", sagt eine, die immer ihr Wissen als großen Trumpf anführt. "Es hat keine Sinn, wie Männer sein zu wollen, wir sind anders, viel mehr am Konsens orientiert und das ist eine Stärke, die sich Frauen bewusst machen und Unternehmen zu ihrem eigenen Vorteil schätzen lernen sollten", sagt sie. Ihre Devise: Mut machen, Vorbild sein, Forscherinnen fördern - nicht im Weltall, sondern auf Erden. (DER STANDARD, Printausgabe 24.05.2006)

Von Karin Pollack
  • Claudie Haigneré, Ärztin, Forscherin, Kosmonautin, dann Frankreichs Wissenschaftsministerin und bis Mai 2005 französische Europaministerin - in Wien ermutigte sie vergangene Woche auf der EU-Tagung "Re-searching Women in Science and Technology" Frauen dazu, sich aktiv in der Wissenschaft zu engagieren.
Foto aus: Bettina Flitner: Frauen mit Visionen, Knesebeck Verlag
    foto: bettina flitner
    Claudie Haigneré, Ärztin, Forscherin, Kosmonautin, dann Frankreichs Wissenschaftsministerin und bis Mai 2005 französische Europaministerin - in Wien ermutigte sie vergangene Woche auf der EU-Tagung "Re-searching Women in Science and Technology" Frauen dazu, sich aktiv in der Wissenschaft zu engagieren.

    Foto aus: Bettina Flitner: Frauen mit Visionen, Knesebeck Verlag
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