Hundstorfer rechnet mit jahrelangen Prozessen

13. Juni 2006, 15:40
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Die Staatsanwaltschaften in Österreich und den USA würden bereits zusammen arbeiten - "ernsthafte Konsequenzen" für frühere Manager

Wien - ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer rechnet nach der BAWAG-Affäre mit jahrelangen gerichtlichen Verfahren. In einem gemeinsamen Hintergrundgespräch mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl meinte Hundstorfer am Dienstagabend, die Prozesse könnte vier Jahre in Anspruch nehmen. Die Staatsanwaltschaften in Österreich und den USA würden bereits zusammen arbeiten. Für die früheren Manager rechnet er mit "ernsthaften Konsequenzen".

Wörtlich sprach Hundstorfer von einer "kleinen Gruppe, die Monopoly gespielt hat". Es habe "eine kleine Bank in der Bank" gegeben. Der ÖGB-Präsident betonte, dass man Schadenersatzforderungen "in alle Richtungen" prüfe. Das betreffe sowohl das frühere BAWAG-Management als auch die frühere ÖGB-Führung. Gegen wie viele Personen sich die Klagen richten werden, wollte Hundstorfer noch nicht konkret beziffern. Zuletzt hatte er Klagen gegen den früheren ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch und den Ex-Finanzreferenten Günther Weninger sowie die ehemaligen BAWAG-Direktoren Elsner und Zwettler sowie eine Reihe von BAWG-Vorständen angekündigt.

Tumpel verteidigt

Den früheren Aufsichtsrat und jetzigen Arbeiterkammer-Präsidenten Herbert Tumpel verteidigte Hundstorfer jedoch. Dieser habe sein Vertrauen, sagte der ÖGB-Präsident. Tumpel habe "ganz knallharte Spielregeln" beschließen lassen, allerdings hätten sich einige nicht daran gehalten.

In der Frage der Penthäuser für ehemalige BAWAG-Manager und Verzetnitsch teilte Hundstorfer mit, dass BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny im Einvernehmen mit ihm derzeit sämtliche Verträge überprüfen lasse. Wo es die Möglichkeit dazu gebe, werde man Handlungen setzen. Elsner habe man schon geklagt. An Verzetnitsch richtete Hundstorfer den Appell, sein Mietverhältnis "in Ordnung zu bringen". Nach dem Mietrecht sei es aber nicht möglich, jemanden einfach auf die Straße zu setzen.

Für den ÖGB hat die ganze Affäre jedenfalls offensichtlich einen massiven Vertrauensverlust bei seinen Mitgliedern zur Folge. Wie Hundstorfer berichtete, hätten die Gewerkschaften bisher 6.000 bis 7.000 Austritte zu verzeichnen gehabt. (APA)

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    Wörtlich sprach Hundstorfer von einer "kleinen Gruppe, die Monopoly gespielt hat".

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