Augarten-Flakturm: Datenfirma verhandelt über Kostenübernahme

12. Juni 2006, 16:29
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Betonriesen in einen Datenbunker umfunktionieren - Der Stein ist wieder ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschossdecke eingebrochen ist

Wien - Totgesagte leben länger, heißt es. Ob das auch im Fall des jahrelang diskutierten und immer wieder für "tot" erklärten Datenspeicherprojekts im Flakturm im denkmalgeschützten Wiener Augarten gilt, ist zwar fraglich. Fest steht jedoch, dass die Errichtungsgesellschaft DCV (Daten Center Vienna) trotz massiver Ablehnung durch Bürgerinitiativen, Denkmalamt und Stadtverwaltung nach wie vor daran denkt, den Betonriesen in einen Datenbunker umzufunktionieren, inklusive Aufstockung und Zusatzturm für Lifte und Stiegenhäuser (DER STANDARD berichtete).

Sanierungsbedarf

Der Stein ist wieder ins Rollen gekommen, nachdem in der Vorwoche durch die Verschiebung von Schutt im Inneren des Turms eine Geschossdecke eingebrochen ist. Die Burghauptmannschaft ist derzeit dabei, eine Baufirma zu beauftragen, welche die dringend notwendigen Sanierungen durchführen und lose Teile, die herunterzufallen drohen, entfernen soll. Die Ausschreibung dazu wurde von DCV gemacht, die bereits über einen "Vormietvertrag" verfügt. "Wir können uns durchaus vorstellen, die Abbruchkosten zu übernehmen," erklärt DCV-Geschäftsführer Wolfgang Bleim. Vorher müsse es aber Klarheit geben, wie viel die Sanierung kostet und ob es für die künftige Nutzung eine Baubewilligung gebe.

Grünes Licht für den Umbau hat es bisher nur vom Bildungsministerium gegeben, das mit einem positiven Bescheid die Bedenken des Denkmalamts aushebelte. Alles, was über die Sicherungsmaßnahmen hinausgehe, sei jedoch genehmigungspflichtig, wird im Büro des zuständigen Stadtrats Werner Faymann (SP) betont. "Im Inneren können sie machen, was sie wollen, für einen Aufbau wird es keine Baubewilligung geben," heißt es. Denn dafür wäre eine Umwidmung des Parkschutzgebietes notwendig, und daran wird nicht gedacht, wie Klaus Vatter, Leiter der Planungsabteilung bestätigt.

Grüne: "Höchst eigenartig"

"Der Bund soll Geld in die Hand nehmen und den Flakturm öffentlich zugänglich machen," fordert Sabine Gretner, Planungssprecherin der Grünen. Wie auch der Verein Freunde des Augartens findet sie es "höchst eigenartig, dass DCV in einer Ruine, in der die Decke einstürzt, ein Hochsicherheits-Datencenter einrichten will." (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 24./25.05.2006)

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    foto: standard/fischer
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