Weltrekord für einen Nachbau

23. Mai 2006, 21:52
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Zweiteiliges Kabinett im japanischen Stil bei Lempertz brachte 915.000 Euro statt der erwarteten 12.000-15.000

Köln - Auf leisen Sohlen hatte sich die Sensation schon in den Tagen vor dem 19. Mai angekündigt, als sich beim Auktionshaus Lempertz zu Köln elf Interessenten für ein ereignisreiches telefonisches Mitbieten anmeldeten. Denn ein Objekt im Rahmen der zur Versteigerung gelangenden Sektion Kunstgewerbe hatte es der internationalen Fachwelt besonders angetan: Lot 814, ein großes zweiteiliges Kabinett im japanischen Stil, geschätzt auf 12.000 bis 15.000 Euro.

Das Möbel entstand um 1894 in Anlehnung an ein Modell von Henry Pannier nach dem berühmten, 1877 entstandenen Vorbild von Edouard Lièvre (Musée d'Orsay in Paris). Von den sechs bekannten Nachbauten wurden drei mit japanischen Lackpaneelen im Zentrum der Front ausgeführt. Eine Version ist heute in französischem Privatbesitz, eine weitere wurde Ende des 19. Jh. vom russischen Großherzog Vladimir erworben und steht heute in der Eremitage in St. Petersburg.

Bei dem von Lempertz angebotenen Exemplar handelte es sich um das dritte, bisher unbekannte Exemplar. So kumulierte Ende vergangener Woche die Nachfrage aus allen Erdteilen im Kölner Auktionssaal. Bieter aus Paris, London und New York bekämpften einander erbittert. Zunächst im üblichen Rahmen, dann schon in deutlich höheren Schritten, bis sie schließlich zum Weltrekord von 915.000 Euro kamen. (kron/ DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2006)

  • 915.000 Euro statt der erwarteten 12.000-15.000 brachte dieses Kabinett.
    foto: lempertz

    915.000 Euro statt der erwarteten 12.000-15.000 brachte dieses Kabinett.

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