Höchst erfolgreiches Motiv

23. Mai 2006, 21:47
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Eine Version von Albin Egger-Lienz' "Totentanz" im Wiener Dorotheum

Wien - Es ist, gemessen am Gesamtoeuvre, nicht sein am öftesten wiederholtes Motiv. Dafür gilt Totentanz als das am häufigsten ausgestellte Werk von Albin Egger-Lienz. Auch Dank der zahlreichen Reproduktionen wurde es zum Inbegriff seiner Kunst. In der Rezeption ist es eines jener geblieben, die kontroversiell aufgenommen werden. Schon weil es den Bauernaufstand 1809 thematisiert und damit das habsburgischen Herrscherhaus kritisiert.

Im Laufe seines Künstlerlebens schuf Albin Egger-Lienz zahlreiche Variationen des Themas, Teilwiederholungen der Komposition, isolierte Figurengruppen etc. "Als Fassung gelten genau genommen nur jene Werke, die in einem selbständigen Objekt farblich oder formal von früheren Lösungen wesentlich abweichende Gestaltungselemente enthalten." Soweit der Fachmann Wilfried Kirschl, Autor des 1996 im Christian Brandstätter Verlag erschienenen Werkverzeichnisses.

Im Sommer vor exakt 100 Jahren begann sich Albin Egger-Lienz mit diesem Thema zu beschäftigen und beendete die Arbeiten am ersten Totentanz ein Jahr später. Diese Version, die der Künstler selbst zerschnitt, ist heute nur mehr in Fragmenten erhalten. Von 1914 bis 1916 entstanden drei weitere Fassungen gefolgt von zweien im Jahr 1921. Zum Auftakt der zweiten Auktionswoche (30. Mai-2. Juni) gelangt nun die fünfte aus sechs Gemäldeversionen des Totentanzes am 30. Mai im Dorotheum zur Versteigerung. Das Highlight musste jüngst vom Egger-Lienz-Museum in Schloss Bruck an eine in Amerika lebende Erbin restituiert werden.

Ursprünglich stammt das Gemälde aus der Sammlung von Adolf Hochstimm, Alleinverleger der 1929 gegründeten Zeitschrift Österreichische Kunst, die von den Nationalsozialisten übernommen und unter dem Titel Kunst dem Volk bis 1944 weitergeführt wurde. Details sind Sophie Lillies Was einmal war - Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens (Czernin Verlag, 2003) zu entnehmen: 1938 erhielt Hochstimm, der neben 16 Gemälden auch zahlreiche Studien von Egger-Lienz besessen haben soll, eine Vorladung zur Gestapo, angeblich wegen einer Meldung der Künstlerwitwe, wonach der Meister beim Verkauf des Bildes Die Mütter seinerseits übervorteilt worden sei. Die Bilder, darunter Totentanz von 1921, gelangten infolge in das Egger-Lienz-Museum in Schloss Bruck.

National teuer

Die aktuelle Taxe der auf Öl gemalten Fassung liegt bei stolzen 600.000 bis 800.000 Euro. Auf Basis des Kunstrückgabegesetztes von 1998, das allen restituierten Kunstwerken freies Geleit zugesteht, könnte es sehr zum Unbehagen der Tiroler Fachwelt, die Grenzen Österreichs passieren.

Warum die in den USA lebende Einbringerin sich dennoch für eine Versteigerung hier zu Lande entschieden hat, ist leicht erklärt: Im internationalen Vergleich hat dieses Werk wohl den Status einer Ikone der Klassischen Moderne, allerdings einer regionalen.

Die weltweite Nachfrage wird sich insofern in Grenzen halten, weshalb die wohl angefragten Taxen internationaler Auktionshäuser deutlich niedriger ausfielen. Und in der Realität wird das Dorotheum zumindest zwei besonders interessierte Sammler dafür begeistern müssen. (kron/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2006)

  • Albin Egger-Lienz' "Totentanz" von 1921, die fünfte von sechs Gemälde-Fassungen.
    foto: dorotheum

    Albin Egger-Lienz' "Totentanz" von 1921, die fünfte von sechs Gemälde-Fassungen.

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