Soziale Gerechtigkeit ermöglicht Integration

6. Juni 2006, 12:48
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Vorarlberger "Integrationsbericht" präsentiert

Bregenz - "Integrationsarbeit in Vorarlberg. Strukturen, Angebote und die Landschaft der Akteure" überschreibt Eva Grabherr den für die Landesregierung verfassten "Integrationsbericht". Die Leiterin von "okay.zusammen leben", der Projektstelle für Zuwanderung und Integration, präsentierte am Dienstagnachmittag im Landhaus eine Zusammenschau aller Integrationsaktivitäten. Nicht das Messen von Integrationswilligkeit oder Verweigerung war das Ziel der Arbeit, sondern das Aufzeigen einer Entwicklung, eines "Paradigmenwechsels von der Ausländer- zur Integrationspolitik" (Grabherr).

Gastarbeiter- oder Ausländerpolitik

Basis dieser Politik müsse die Erkenntnis sein, dass es "ein Trugschluss war zu glauben, dass die Leute wieder gehen". Habe sich die Gastarbeiter- oder Ausländerpolitik vergangener Jahre vorrangig an "ausländerrechtlichen Titeln orientiert", müsse sich eine präventive Integrationspolitik um "spezifische Problemlagen einer Gruppe" kümmern. Von "Gastarbeitern", mit deren Rückkehr ins Heimatland gerechnet wurde, erwartete man sich nur rudimentäre Sprachkenntnisse. Anders bei Zuwanderern. Sicherheits-Landesrat Erich Schwärzler (VP): "Wer bleiben will, muss Deutsch lernen." Dazu braucht es Infrastruktur.

Deutsch in Spielgruppe

Grabherr gibt aber auch Empfehlungen, etwa für das "zentrale Handlungsfeld Bildung": Verbesserte Ausbildung der Lehrkräfte, Förderung des frühen Spracherwerbs und verstärkte Elternarbeit. Schwärzler kündigte finanzielle Unterstützung an: "Kinder sollen nicht erst im Kindergarten Deutsch lernen." Der Anteil von Kleinkindern nichtdeutscher Muttersprache in Spielgruppen ist, so Grabherr, "markant gewachsen" und beträgt aktuell 12,7 Prozent.

Indikatoren

Eva Grabherr sammelt Indikatoren für die Integrationsbereitschaft beider Seiten. Die Vielfalt aufgezeigter Projekte dürfe aber nicht missverstanden werden, sagt sie: "Das Angebot ist wahrnehmbar gewachsen, aber es besteht kein Grund, sich zurückzulehnen." Ziel der Integrationspolitik müsse die Bekämpfung sozialer Ungleichheit sein. Etwa durch Verbesserung der Arbeitsmarktzugänge für Migrantenjugendliche. "Sie können von den anlaufenden Bildungsprogrammen in Kindergärten und Volksschulen nicht mehr profitieren." Es gelte zu verhindern, "dass wir eine verlorene Generation schaffen". (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2006)

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