Heuer soll es weniger Hurrikane geben

5. Juni 2006, 18:43
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Zwar weniger Wirbelstürme, aber weiterhin mangelhafte Hurrikan-Schutzbauten in New Orleans

Miami – Das Nationale Hurrikanzentrum der USA rechnet in diesem Jahr mit deutlich weniger Wirbelstürmen als in der vergangenen Saison. Laut einer in Miami veröffentlichten Vorhersage erwarten die Experten vier bis sechs größere Hurrikane über dem Atlantik und dem Golf von Mexiko sowie bis zu 16 tropische Stürme, die einen Namen erhalten. Im Vorjahr wurde die Rekordzahl von 28 Stürmen namentlich benannt. Es gab 15 Hurrikane, sieben davon der Kategorie drei oder stärker.

Experten zufolge ist die Erde in der Mitte eines 20-jährigen Zyklus, der weiterhin starke Stürme bringen wird. Eine Wiederholung der starken Aktivität des Vorjahrs werde aber nicht erwartet, da die Verhältnisse 2006 anders seien. So sei das Wasser des Atlantiks nicht so warm wie zur gleichen Jahreszeit 2005. Dennoch sollten sich die Menschen in den Küstenregionen wappnen. „Ein Hurrikan, der dort auftritt, wo sie leben, reicht aus, um es zu einer schlimmen Saison zu machen“, sagte der Direktor des Hurrikanzentrums, Max Mayfield. Die Hurrikansaison im Atlantik dauert vom 1. Juni bis zum 30. November.

Schwaches Erdreich

In New Orleans legte unterdessen eine unabhängige Expertenkommission die Ergebnisse ihrer Untersuchung des Deichsystems der Stadt vor. Demnach war das System in den vergangenen 50 Jahren unterfinanziert und daher nicht in der Lage, New Orleans vor Hurrikanen zu schützen. Die Verantwortung dafür wiesen die Autoren der Studie dem US-Kongress zu. Staatliche und örtliche Behörden wiederum hätten es versäumt, die Wartung der Deiche angemessen zu beaufsichtigen.

„Man bekommt, wofür man bezahlt“, sagte Dave Rogers, ein Mitglied der für die Studie verantwortlichen Expertengruppe. Die Gruppe kritisierte besonders das Pionierkorps des US-Heers, zuständig für Entwurf und Bau des komplizierten Deichsystems. Deichbrüche seien unter anderem vom schwachen Erdreich und schlechter Konstruktion ausgelöst worden. Die Ingenieure müssten sich vor einem weiteren Hurrikan besonders den Schwachstellen widmen: „Die nächste Schwachstelle ist die, über die man sich Sorgen machen muss“, sagte Raymond Seed, ein weiteres Mitglied der Expertengruppe. (AP, DER STANDARD Printausgabe, 24.05.2006)

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    foto: epa/livingstone
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