Betrugsprozess wegen Suizidgefahr geplatzt

8. Juni 2006, 15:46
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Frühere FMS-Chefin nicht verhandlungsfähig

Wien - Nach jahrelangen Ermittlungen hätte am Dienstag im Wiener Straflandesgericht das Verfahren um die angeblich betrügerischen Machenschaften der Wiener Finanzfirma Financial Management Service (FMS) starten sollen. Ein Fax ließ jedoch den Prozess wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs, Untreue und grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen platzen: Darin teilte der Anwalt der ehemaligen FMS-Geschäftsführerin Birgitta Svoboda mit, seine Mandantin sei "akut suizidgefährdet" und befinde sich in stationärer Behandlung.

Nach telefonischer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gab Richter Gerhard Pohnert dessen Einschätzung wieder, Svoboda sei "derzeit nicht verhandlungsfähig". Die Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Um den Gesundheitszustand der Angeklagten abzuklären, beauftragte der Richter einen gerichtlich beeideten Sachverständigen für Psychiatrie mit einem Gutachten. Von diesem hängt es ab, wann die Strafsache wieder zur Verhandlung ausgeschrieben werden kann.

Svoboda und ihr Kompagnon Bernd-Peter Pankonin sollen laut Anklage mit jahrelangen kriminellen Machenschaften einen Schaden von 6,6 Mio. Euro angerichtet haben, davon entfallen 4,9 Mio. Euro auf Anleger. Viele von ihnen hatten in der Hoffnung auf satte Gewinne mehr als 100.000 Euro investiert.

Laut Anklageschrift dürfte FMS die meiste Zeit nur zum Schein Veranlagungen durchgeführt haben. Die Angeklagten hätten nicht einmal eine Konzession gehabt, als sie 1992 erste Kundengelder zur Vermögensverwaltung übernahmen. Ende 2003 meldete FMS Konkurs an. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.5.2006)

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