Meditationen über den Unvermeidlichen

23. Mai 2006, 21:39
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Gerfried Sperl, Michael Steiner (Herausgeber): "Was für Zeiten. Lust auf Amadeus"

Das Jubeljahr ist noch jung, am Ende wird der Befund womöglich zu korrigieren sein. Im Moment jedoch scheint alles sehr entspannt - weit und breit kein Gefühl der Übelkeit durch Übersättigung. Vielleicht, da man geübt ist; es ist ja immer Mozartjahr. Insofern ist dieser jetzige noch kein schlechter Zeitpunkt, den vorhandenen Wortangeboten (zu Mozart) ein weiteres hinzuzufügen.

Auch den Ausführungen in Was für Zeiten - Lust auf Amadeus (herausgegeben von STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl und Michael Steiner) ist kein Thema-Überdruss anzumerken. Nach der Lektüre stellt er sich ebenfalls nicht ein, da hier Vielfalt herrscht.

Da findet sich tatsächlich ein kleines Interview mit Jimi Hendrix (von Wolfgang Grüner), jener - was Lebensalter und Kreativität anbelangt - Mozart verwandten singulären Erscheinung. Und es ist zweifellos erheiternd mitzuverfolgen, wie STANDARD-Autor Peter Vujica im Rausch der Quantifizierung zum Schluss kommt, dass Richard Strauss ganze 545 Jahre hätte leben müssen, um auf dieselbe Komponiermenge wie Mozart zu kommen! Daneben wird auch gottlob thematisiert, welchen Druck die durch Mozart extrem repräsentierte Musikgeschichte auf den Konzertalltag ausübt (Presse-Musikkritiker Walter Weidringer).

Und: Auch wenn man nicht glaubt, dass man Mozart besser verstünde, wenn nachgewiesen würde, dass der berühmte Schädel der seinige ist, so ist es interessant, von Burgl Czeitscher zu erfahren, welche Abenteuer es einem beschert, eine solche DNA-Analyse durchziehen zu wollen und dann ergebnislos dazustehen. Wobei: Sie verspricht demnächst DNA-Neuheiten an der "Schädelfront". Exklusiv in Was für Zeiten. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.5.2006)

Von Ljubisa Tosic
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