"Alarmstufe Rot" in Italien

30. Mai 2006, 07:33
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Lampedusa: 1.000 Flüchtlinge in wenigen Tagen - Katastrophale Zustände im Aufnahmelager - Prodi will Immigrationsgesetze ändern

Rom - "Alarmstufe Rot" auf der süditalienischen Insel Lampedusa, wo innerhalb von drei Tagen mehr als 1.000 Flüchtlinge gelandet sind. Katastrophale Zustände herrschten im Aufnahmelager der Insel, das über 800 Immigranten beherbergt, obwohl es eigentlich nur Platz für 190 gibt. Mehrere Hunderte Menschen wurden abgeschoben.

"Die hygienische Lage ist schwierig, ein Großteil der Flüchtlinge muss so rasch wie möglich in den Aufnahmezentren in Sizilien untergebracht werden, wollen wir die Lage entlasten", meinte der Bürgermeister von Lampedusa, Bruno Siracusa. Er bangt auch um die Touristen. "Wir sind eine Ferieninsel, doch die Massenlandungen, die seit Jahren die Insel belasten, gefährden unser Image als Urlaubsparadies."

Amnesty mahnt Respekt ein

Die Menschenrechtsorganisation amnesty international mahnte, die Rechte der Zuwanderer zu respektieren. "Diese Menschen sind Opfer von kriminellen Menschenschmugglern", sagte ein Sprecher der Organisation. Der neu gewählte italienische Sozialminister Paolo Ferrero plante für Mittwoch einen Besuch auf der Insel.

Der Flüchtlingsstrom sorgte auch in Rom für heftige Diskussionen. "Mit der Linken an der Regierung droht Italien zu einem Schlaraffenland für die Schieberbanden zu werden", sagte Roberto Castelli von der rechtspopulistischen Oppositionspartei Lega Nord.

Pordi will andere Gesetze

Italiens designierter Regierungschef Romano Prodi hatte in seiner Regierungserklärung am vergangenen Donnerstag eine Revision des von seinem Vorgänger Silvio Berlusconi verabschiedeten Immigrationsgesetzes angekündigt. "Das geltende Einwanderungsgesetz hat sich als populistisch und ineffizient erwiesen. Das System der jährlich festgelegten Einwanderungsquoten muss geändert werden, obwohl der Immigration weiterhin Grenzen gesetzt werden müssen", betonte Prodi. Wichtig sei, dass Ausländer die Staatsangehörigkeit erhalten können, wenn sie eine gewisse Anzahl von Jahren in Italien verbracht haben. "Die Staatsangehörigkeit ist das wichtigste Integrationsmittel einer Demokratie", betonte Prodi. (APA)

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