EM.TV schreibt rote Zahlen

14. Juni 2006, 15:54
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Umsatzprognose für 2006 angehoben

Die Probleme beim insolventen deutschen TV-Auktionskanal Mega\Vision haben die Medienfirma EM.TV zum Start ins Geschäftsjahr belastet. Bei einem Umsatzanstieg um 17,8 Prozent auf 60,1 Mio. Euro rutschte EM.TV unter dem Strich in die roten Zahlen. Nach Steuern und Minderheitenanteilen sei ein Verlust von 0,5 Mio. Euro verbucht worden, nach einem positiven Ergebnis von 2,3 Mio. Euro im Vorjahr, teilte die EM.TV AG am Dienstag in München mit.

Die Medienfirma hat die Beteiligung an dem Auktionskanal in Höhe von 25 Prozent vollständig abgeschrieben. Die Umsatzprognose für das laufende Quartal hob das Unternehmen an und nannte auch ein konkretes Ergebnisziel.

Mega\Vision hatte nach dem Start Ende September 2005 den Betrieb aufgenommen. Die Entwicklung des Senders sei aber weit hinter dem vom früheren Management vorgelegten Business-Plan zurückgeblieben, hieß es. Über eine zweite Finanzierungsrunde habe man sich im Gesellschafterkreis nicht einigen können, so dass das Unternehmen im April Insolvenzantrag stellen musste. Die EM.TV-Beteiligung an dem Auktionskanal werde über die Tochter Plazamedia gehalten und sei für den Konzern nicht von strategischer Bedeutung, hieß es. "Nach Ansicht des Vorstands sind keine weiteren Belastungen aus dem Engagement zu erwarten."

Umsatzanstieg im ersten Quartal basierte vor allem auf Akquisitionen

Der Umsatzanstieg im ersten Quartal basierte vor allem auf Akquisitionen. So sei die Ende 2005 erworbene Creation Club GmbH einbezogen worden. Seine Beteiligung an der Produktionsfirma Yoram Gross-EM.TV hatte das Unternehmen zudem im Jänner von 50 auf 100 Prozent aufgestockt. Wichtigster Umsatzbringer blieb mit 77 Prozent das Segment Sport, den Rest machte der Bereich Unterhaltung aus. Auch vor Zinsen und Steuern ging das Ergebnis (EBIT) von 4,1 Mio. Euro auf 3,0 Mio. Euro zurück. Im Vorjahresquartal hatte EM.TV von der Vermarktung der Merchandising-Rechte rund um die Fußball- Weltmeisterschaft profitiert.

Statt des bisher prognostiziert Umsatzplus um zehn Prozent peilt EM.TV für das Gesamtjahr nunmehr einen Anstieg um 19 Prozent auf rund 250 Mio. Euro an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll um mindestens 27 Prozent auf 27 bis 30 Mio. Euro zulegen und das EBIT um mindestens 40 Prozent auf 8 bis 10 Mio. Euro.

Durch das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom März hätten sich zeitliche Verzögerungen bei den Plänen für einen Einstieg ins Geschäft mit Sportwetten ergeben, räumte der Unternehmenssprecher ein. "Es gibt aber im Rahmen der rechtlichen Vorgaben Möglichkeiten, im Bereich Wetten und Games tätig zu werden." Bereits aktiv sei man über das Deutsche Sportfernsehen im Bereich Pferdewetten. Das Projekt habe derzeit noch Pilotcharakter, weitere Angebote seien aber bereits in Vorbereitung. Das Bundesverfassungsgericht hatte mit seinem Urteil strengere Vorgaben zum Kampf gegen die Spielsucht verlangt. (APA)

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