Volkswirtschaftliche Tagung: Arbeitnehmer für faire Globalisierung

8. Juni 2006, 15:46
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Die Situation am Arbeitsmarkt ist für den ÖGB-Präsidenten eines der Hauptprobleme der Globalisierung, Hundstorfer fordert daher eine Aufstockung der Mittel

Wien - Der geschäftsführende ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer fordert eine faire Gestaltung der Globalisierung, des sozialen Ausgleichs und der sozialen Integration. Einer der Schwerpunkte dabei sei die Frage der Arbeitsmärkte und wie die Binnennachfrage angeheizt werden könne. Als österreichische Gewerkschaft sei man nicht so naiv zu glauben, die Globalisierung zurückdrehen zu können, sagte Hundstorfer am Dienstag bei einer Diskussion am zweiten Tag der 34. Volkswirtschaftlichen Tagung in Wien, die unter dem Motto: "Globalisierung: Chancen und Herausforderungen für die Welt, Europa und Österreich" steht.

Synonym für Verunsicherung

Es sei kein Wunder, dass das Thema Globalisierung bei den Menschen sehr negativ besetzt sei, meinte AK-Bereichsleiterin Maria Kubitschek, denn dieses Schlagwort würde oft dazu verwendet werden, dass Firmenstandorte nicht mehr gehalten werden können, dass Beschäftigung abgebaut werden müsse. Globalisierung sei zum Synonym für Verunsicherung der Bürger geworden. Nicht alle könnten aus dem Prozess der Globalisierung gewinnen. Tatsache sei, dass die Entwicklung bei den Löhnen und Unternehmensgewinnen auseinander gehe. Wenn man auf Verteilungsprobleme hinweise, sei man noch lange kein Globalisierungsgegner, betonte Kubitschek.

Er sehe die Globalisierung "primär als Chance, deren Herausforderungen man natürlich begegnen müsse, meinte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Österreich sei richtig aufgestellt und erlebe seit der Ostöffnung im Jahr 1989 eigentlich eine "Globalisierung im Kleinen". Ein hohes Maß an sozialer Sicherheit für den Einzelnen sei kein Hindernisgrund, sondern Voraussetzung für exzellente Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten.

Globale Partnerschaften

Österreich beziehe 60 Prozent des Einkommens durch die Exportwirtschaft aus dem Ausland, führte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl an. Österreichs Wirtschaft müsse deshalb mit den ausländischen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Österreichs Arbeitnehmer müssten flexibel sein. Es seien globale Partnerschaften notwendig, um die Globalisierungsängste zu beseitigen, die nicht weggeleugnet werden sollten. Österreichs Gewerkschaften, die sich derzeit gerade neu positionieren würden, sollten Manager des Wandels sein.

In Österreich gebe es viele Gewinner und weniger Verlierer der Globalisierung, meint IHS-Chef Bernhard Felderer. "Wir müssen schauen, wo die Verlierer sind, und dort kompensieren, um Zustimmung für diesen Prozess zu gewinnen", so Felderer.

Drastischer Anstieg der Arbeitslosigkeit

"Globalisierung ist so, wir werden sie leben, aber es geht darum sie fair zu leben, fair zu gestalten", sagte Hundstorfer weiter. Ein Schwerpunkt dabei sei die Frage der Arbeitsmärkte und wie die Binnennachfrage von der jeweiligen Regierung angeheizt werde. Die Binnennachfrage müsse funktionieren. Es dürfe nicht reichen, zu akzeptieren, dass es rund 300.000 Arbeitslose gebe.

In den letzten sechs Jahren sei die Arbeitslosigkeit um 44 Prozent angestiegen. Das sei auch der Grund, warum die Globalisierung von vielen Menschen abgelehnt werde. "Viele Menschen fühlen sich nicht mitgenommen, sondern sozial ausgegrenzt. Die wahre Aufgabe der Gewerkschaften bestehe darin, diese Menschen aufzufangen, für diese Menschen Antworten zu finden. Leider gebe es auch in Europa schon viele Beispiele, wo vor allem jungen Menschen keine Antworten gegeben werden. Die daraus entstehenden Radikalismen sollen nicht sehenden Auges auch in Österreich produziert werden.

Überstunden

Die Frage der Binnennachfrage müsse massiv gestellt werden, so Hundstorfer. Die Gewerkschaften werden deshalb auch nicht dabei mitspielen, wenn es darum gehe, eine Milliarde Euro Überstundenentgelte abzuschaffen, denn diese Milliarde fehle wiederum an Kaufkraft. Als ÖGB fordere er von einer zukünftigen Regierung eine Stärkung der kleinen und mittleren Einkommen, ein Milliarde für zusätzliche Infrastrukturausbauten und eine Aufstockung der Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik. Auch für ältere Arbeitnehmer müssten Sozialprogramme entwickelt werden. "Wir haben einige Dinge abzuarbeiten", so Hundstorfer. (APA)

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    Hundstorfer fordert eine faire Gestaltung der Globalisierung

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