Kein "Mana" für Netbase - Netzkulturinitiative vor Auflösung

24. Mai 2006, 17:35
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Letzte Subvention (219.000 Euro) für "Entschuldung und Auflösung" wird morgen im Wiener Gemeinderat beschlossen

Die Netzkulturinitiative Netbase (früher: Public Netbase) erhält laut Tagesordnung des morgigen Wiener Gemeinderates eine Subvention in der Höhe von 219.000 Euro für das Jahr 2006 - und es wird offenbar die letzte sein. Die Summe soll für "Entschuldung und Auflösung" der Institution beschlossen werden, heißt es in der Tagesordnung. Mit der Auflösung würde ein langsamer Sterbeprozess einer Initiative enden, die immer wieder lautstark auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht hat.

Leid

Die Entschuldung wurde im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gegenüber der APA bestätigt. Auch habe die Netzkulturinitiative dem Kulturamt mitgeteilt, dass sie ihre Auflösung beabsichtige. Mailath-Pokorny würde es "leid tun", wenn sich Netbase tatsächlich auflösen würde. Eine Sprecherin des Kulturstadtrates verwies jedoch auf die Verdreifachung der Subventionen von Seiten der Stadt Wien durch Mailath-Pokorny und die bereits mehrfache Entschuldung der Initiative.

"Mana"

In der morgen, Mittwoch, im Gemeinderat zum Beschluss stehenden Summe enthalten sind die Finanzmittel für eine Entschuldung des Vereins sowie Gelder für die Abwicklung der Auflösung und für noch bestehende internationale Verpflichtungen. Das Ende der Initiative hat sich zuletzt nach der Umstellung des Wiener Fördersystems für Netzkultur abgezeichnet: Seit heuer bestimmt die Wiener Netzkulturszene über ein softwaregesteuertes Vergabesystem namens "Mana" selbst, wer Subventionen bekommt. Netbase, die dieses System heftig kritisiert haben und bei den herkömmlichen Netzkultursubventionen mit Abstand am meisten Gelder lukrieren konnten, haben sich an dem neuen Fördersystem nicht beteiligt und sind bei der ersten "Mana"-Vergabe leer ausgegangen.

Troubles

Zuvor hatte insbesondere die Streichung der Bundessubvention Public Netbase vor finanzielle Schwierigkeiten gestellt. Vom Bund hat die stark regierungskritische Initiative zuletzt für das Jahr 2004 35.000 Euro erhalten. Vor dem Regierungswechsel hatte man 167.148 Euro jährlich sowie Förderungen für Einzelprojekte bekommen. Die Stadt Wien ist wiederholt mit Budgeterhöhungen (die insgesamt verdreifacht wurde) bzw. Sondermitteln eingesprungen. Zuletzt hatte das Jugendressort seine Förderungen jedoch von 65.000 auf 25.000 Euro gekürzt.

Mit Jahresbeginn hat die ursprünglich im heutigen MuseumsQuartier (MQ) angesiedelte Initiative, die nach einem Streit mit der MQ-Betreibern neue Räumlichkeiten bezogen hat, alle Mitarbeiter gekündigt. Aufrechte Verträge gibt es noch über ein Projekt in einem EU-Programm mit Indien. (APA)

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