Sundt geht mit Rekordergebnis

26. Juni 2006, 13:47
1 Posting

Der scheidende TA- General hatte sich jahre­lang gegen seine Ablöse gewehrt. Er wird nun Konsulent für den Serbien-Einstieg

Wien - Der langjährige Generaldirektor der Telekom Austria (TA), Heinz Sundt (58), gibt mit Ende der heute, Dienstag, stattfindenden Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz an seinen Nachfolger Boris Nemsic (48) ab. Sundt, der seit 10 Jahren in der TA-Gruppe tätig ist und sich viele Jahre gegen seine Ablöse gewehrt hatte, übergibt die TA dabei mit Rekordzahlen.

Der Umsatz der Telekom Austria erhöhte sich im Vorjahr um 7,9 Prozent auf 4,377 Mrd. Euro, der Nettogewinn wuchs gar um 83,5 Prozent auf 417,1 Mio. Euro. Ein erheblicher Teil des Erfolgs der TA-Gruppe kommt allerdings aus der Mobilfunktochter Mobilkom Austria, die Sundts "Ziehsohn", Nachfolger und Mobilkom Austria-Chef Boris Nemsic nach Osteuropa gebracht hat.

Schleudersitz

Sundts Posten galt seit Jahren als Schleudersitz. Noch im Dezember 2005 hatte sich der studierte Betriebswirt mit allen Mitteln gegen die aus Eigentümer-Kreisen verbreiteten Ablöse-Spekulationen zur Wehr gesetzt. Vor allem mit dem Finanzministerium hegte Sundt einen fortwährenden Konflikt. Bereits im Jahr 2001 gab es massive Differenzen zwischen Sundt und dem damaligen ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Ditz. Sundt ging allerdings als Sieger dieser Personaldiskussionen hervor, statt Sundt musste schließlich Ditz selbst das Handtuch werfen.

Sundt hatte sich im Jahr 2000 auch klar gegen den damaligen Börsegang seines Unternehmens ausgesprochen - ein Umstand, den ihm Finanzmister Karl-Heinz Grasser noch heute vorhalten soll. Zuletzt hatten Debatten um die neue Telekom Austria-Struktur das Verhältnis von Sundt zum Eigentümer zusätzlich belastet.

2004 war sein Mandat dann entgegen aller anders lautender Mutmaßungen per April 2005 neuerlich verlängert worden - allerdings nur für zwei Jahre und mit der Klausel, dass ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags im April 2007, sprich im Frühjahr 2006 feststehen sollte, ob Sundts Mandat neuerlich verlängert wird oder nicht. Unter diesem Vorwand hatten ÖIAG und Finanzminister schon seit Herbst 2005 auf den Machtwechsel in der Telekom hingearbeitet.

Beginn bei der Länderbank

Sundt studierte an der Hochschule für Welthandel (der heutigen Wirtschaftsuniversität, Anm.) in Wien und begann seine berufliche Laufbahn 1967 bei der Länderbank. Von 1969 bis 1986 war Sundt bei IBM Österreich in führender Funktion im Marketing und Vertrieb tätig und leitete von 1986 bis 1989 die Division Telekom und Netzwerk-Services. 1989 wechselte er als Vertriebs- und Marketingleiter zur Mayr Melnhof-Tochter Neupack. Im Jänner 1996 übernahm Sundt die Unternehmensführung der TA-Tochter Mobilkom Austria, bevor er im April 2000 zum TA-Generaldirektor ernannt wurde.

Unter Sundts Führung wurde die Mitarbeiterzahl im Festnetzbereich seit 2000 um 39 Prozent auf 9.557 Beschäftigte reduziert, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) der Gruppe stieg im selben Zeitraum um 65,6 Prozent, der Nettoüberschuss drehte von minus 286 auf plus 417 Mio. Euro, die Nettoverschuldung sank von 3,4 auf 3,1 Mrd. Euro. Seit dem Börsegang hat die TA laut Sundt um 5,2 Mrd. Euro an Marktwert gewonnen.

Sundt wird der Telekom nach seinem Ausscheiden als Chef künftig weiterhin als Konsulent für den geplanten Markteinstieg in Serbien zur Verfügung stehen. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Heinz Sundt hatte sich im Jahr 2000 klar gegen den Börsegang der Telekom Austria ausgesprochen.

Share if you care.