Kairo: Lokale Islamisten-Gruppe plante alle Sinai-Anschläge

4. Juni 2006, 18:14
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Innenministerium: Verbindungen zu Extremisten in Palästinenser-Gebieten

Kairo - Ägyptische Islamisten ohne Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen sollen hinter den Selbstmordanschlägen in den Sinai-Badeorten Dahab, Sharm el Sheikh und Taba stecken. Das geht aus einer Erklärung hervor, die das Innenministerium in Kairo am Dienstag veröffentlichte. Ziel der Terroristen sei es gewesen, "die Stabilität des Staates zu gefährden, wobei sie behaupteten, dieser Staat sei auf Unglauben gegründet und seine Führer hätten sich mit den Feinden des Islam verbündet". Bei den drei Bombenserien im Herbst 2004, im Sommer 2005 und vor einem Monat waren insgesamt mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen.

Laut Ministerium hatten die drei Terroristen, die sich am 24. April in Dahab inmitten von Touristen in die Luft gesprengt hatten, Unterstützung von einigen Extremisten in den benachbarten Palästinenser-Gebieten erhalten. Diese seien aber nicht ihre Auftraggeber gewesen. Drahtzieher der Bombenserie von Dahab sei vielmehr der von der Polizei inzwischen getötete Ägypter Nasser Khamis al-Melahi gewesen. Dieser habe die nach den Anschlägen von Taba und Sharm el Sheikh rund 40 untergetauchten Extremisten um sich versammelt und die Rolle des inzwischen getöteten Anführers der Gruppe, Khaled Musaed, übernommen.

Täter identifiziert

Das Ministerium identifizierte in seiner Stellungnahme namentlich alle drei Selbstmordattentäter von Dahab sowie die zwei Selbstmordattentäter, die sich am 26. April, zwei Tage nach dem Bombenterror von Dahab, neben Angehörigen der multinationalen Sinai- Friedenstruppe und ägyptischen Soldaten in die Luft gesprengt hatten. In Dahab im Südosten der Sinai-Halbinsel waren insgesamt 22 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein Bub aus Deutschland. Bei dem Doppelanschlag in der Umgebung von Al-Goura im Nord-Sinai waren lediglich die beiden Attentäter gestorben.

Zum Tathergang erklärte das Ministerium, die drei Selbstmordattentäter von Dahab seien am 24. April mit einem Kleinlaster voller Gemüse mit ihren Taschen voller Sprengstoff zu einem Laden in Dahab gefahren. Am Abend sprengten sie sich mit ihren Sprengsätzen an der Uferpromenade und neben einem Geschäft in die Luft. Ausländische Beobachter hatten bereits wenige Tage nach dem Terror von Dahab vorsichtige Zweifel an der Darstellung der Ereignisse durch die ägyptischen Behörden geäußert. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurden seit dem Dahab-Anschlag insgesamt sieben Verdächtige von der Polizei getötet und 22 weitere verhaftet

Vor der Erklärung des Innenministeriums hatten die ägyptischen Behörden militante Palästinenser beschuldigt, die Attentäter ausgebildet zu haben. Die drei Attentäter, die in Dahab 20 Menschen mit in den Tod gerissen hatten, seien im Gaza-Streifen trainiert worden, hatte es im Kairoer Innenministerium geheißen. Unmittelbar nach den Anschlägen hatten die ägyptischen Behörden Beduinen aus dem Norden des Sinai verantwortlich gemacht. (APA/dpa)

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