Beraten und verkauft

29. Jänner 2007, 14:41
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Kein gutes Ergebnis im Konsumententest - nur in drei von dreißig Apotheken war die Beratungskompetenz durchgehend positiv

Die Zahl jener, die sich bei kleinen Wehwehchen und Gebrechen lieber in der Apotheke als beim Arzt medizinischen Rat sowie Informationen über Dosierung, Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten holen, nimmt zu. Damit kommt in Apotheken der Beratung wachsende Bedeutung zu. Die Branche selbst bescheinigt sich dabei hohe Kompetenz.

Beratungsqualität

Das Testmagazin "Konsument" hat die Probe aufs Exempel gemacht. Im Mittelpunkt stand die Beratungsqualität der Branche. Drei Testpersonen wurden in 30 zufällig ausgewählte Wiener Apotheken geschickt, um sich beraten zu lassen. Sie schlüpften dabei in verschiedene Rollen: "Tropenreisender", "besorgter Vater mit fieberndem Kind" sowie "übergewichtige Person, die mithilfe von Schlankheitsmitteln abnehmen möchte".

Keine Kompetenz bei Übergewicht

Bilanz des Apotheken-Checks: Nur 3 der 30 Apotheken haben in allen 3 Beratungsfällen ein positives Ergebnis erzielt. "Am schlechtesten haben die Apotheker die übergewichtige Testperson beraten. Bei den von uns getesteten Apotheken stand bei der Abnehmberatung offenbar der Verkaufsaspekt im Vordergrund", kritisiert Franz Floss, Geschäftsführer für die Bereiche Untersuchungen und Publikationen beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). 26 Apotheken haben beim Testszenario "Abnehmen" ihre Beratungspflicht nicht ernst genommen und sind deshalb in diesem Prüfpunkt durchgefallen.

Verkaufen statt beraten

Wer seine Gewichtsprobleme in den Griff bekommen möchte, lässt sich besser nicht von der Apotheke ums Eck beraten. Denn das Ergebnis ist bedenklich: Nur eine einzige Apotheke schneidet "sehr gut" ab. Zwei Mal konnten die "Konsument"-Tester ein "gut" vergeben und ein Mal ein "durchschnittlich". Die restlichen 26 Apotheken fielen bei diesem Prüfpunkt durch: 18 sind "weniger zufriedenstellend", acht wurden mit "nicht zufriedenstellend" bewertet.

Die Details

In keiner einzigen Apotheke wurden Fragen nach Bauchumfang, Alter, Gewicht und Körpergröße gestellt. Ebenso wenig interessierte die Apotheker, ob die Testperson Medikamente einnimmt. Nur zwei "Berater" erkundigten sich, ob sie unter einer Krankheit leidet.

Kaum Ernährungsgewohnheiten hinterfragt

Nur drei Apotheken befragten die Testerin ausführlich über ihre Ernährungsgewohnheiten, jede zweite interessierte sich dafür nicht. Der Aspekt Bewegung kam in 18 Fällen nicht zur Sprache. Die Umstellung der bisherigen Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten war für sechs Apotheken kein Thema.

Keine "zehn Minuten für die Gesundheit"

Obwohl die Branche zur gleichen Zeit mit der Aktion "Zehn Minuten für meine Gesund-heit" warb, nahmen sich für die stark übergewichtige Testperson nur die wenigsten Apotheker so viel Zeit. Die Beratung war meist nach wenigen Minuten abgeschlossen, in vier Fällen beschränkte sie sich auf den reinen Verkaufsakt.

Abnehmen mit Diätologen

"Angesichts dieses nicht zufriedenstellenden Ergebnisses können wir vor einer Schlankheitsberatung in den Apotheken nur warnen. Wer abnehmen möchte, ist bei seinem Hausarzt bzw. einem Ernährungswissenschaftler/Diätologen besser aufgehoben", rät die VKI-Ernährungswissenschaftlerin Birgit Beck.

Bessere Beratung bei Kleinkind und Reisemedizin

Wesentlich kompetenter zeigt sich die Branche dagegen bei der reisemedizinischen Beratung und dem fiebernden Kleinkind: In diesen Fällen stimmt die Beratungsqualität bei zwei Drittel der getesteten Apotheken. (APA)

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