Prix Ars Electronica an Musikpionierin Radigue und Roboterschnecken

1. Juni 2006, 10:20
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3.177 Projekt aus 71 Ländern eingereicht - 117.500 Euro an Preisgeldern - Gesellschaftliches und politisches Engagement von Medienkünstlern verstärkt im Vordergrund

Der CyberArts-Wettbewerb Prix Ars Electronica 2006 ist entschieden: Das überraschende Ende einer sexuellen Beziehung zweier Roboterschnecken, 26 kleine Plastikskelette, die Emails vorlesen, und eine Website, die Informationen über nicht-behindertengerechte Stellen im Stadtbild Barcelonas enthält, zählen zu den Gewinnern der sechs Goldenen Nicas. Weiters wurden zwölf Auszeichnungen und 73 Anerkennungen ausgesprochen. Die Preisverleihung geht im Rahmen des Festivals Ars Electronica am 1. September im Linzer Brucknerhaus über die Bühne.

3.177 Projekte aus 71 Ländern

3.177 Projekte aus 71 Ländern wurden zum Wettbewerb eingereicht, dessen Ergebnisse Gerfried Stocker und Christine Schöpf für die Veranstalter Ars Electronica Center (AEC) und ORF Oberösterreich in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz bekannt gaben. Insgesamt 117.500 Euro an Preisgeldern gehen an die Gewinner. In den Einreichungen dieses Jahres sei gesellschaftliches und politisches Engagement von Medienkünstlern verstärkt in den Vordergrund gerückt, so das künstlerische Direktorium des Wettbewerbs.

"458nm"

Die "Nica" in der Kategorie "Computeranimation/Visual Effects" gewinnt mit "458nm" ein Film von Ilija Brunck, Tom Weber und Jan Blitzer von der Filmakademie Baden-Württemberg. Den Liebestaumel zweier semitransparenter Schneckenmaschinen und ihr plötzliches Ende zeigt der nur wenige Minuten lange Siegerfilm.

Mit der Installation "The Messenger", die die Geschichte der elektronischen Informationsübertragung thematisiert, gewann Paul DeMarinis die Nica im Bereich Interaktive Kunst. Dabei werden, in Anlehnung an die Anfänge der Telegrafie, Emails an den Künstler von drei witzig-skurrilen Setups wiedergegeben: Von 26 kleinen Skeletten etwa, die jedes für einen Buchstaben des Alphabets stehen und durch einen elektronischen Impuls zum "Tanzen" angeregt werden, wenn der entsprechende Laut im Text vorkommt.

"Exonemo"

Eine Pionierin der elektroakustischen Musik erhält die Auszeichnung im Bereich "Digital Musics": Die Französin Eliane Radigue hat bereits seit den 60er Jahren Synthesizer-Musik erarbeitet und wurde nun für ihr Werk "L'ile re-sonante" gewürdigt. In der Kategorie "Net Vision", die sich mit der Zukunft des Webs auseinander setzt, hat sich die japanische Gruppe "Exonemo" durchgesetzt. Diese hat eine Reise durch Japan mit einem "Road Movie" der ungewöhnlicheren Art dokumentiert: Alle fünf Minuten aufgenommene Ansichten von der Reise auf einer Origami-Faltvorlage für einen Mini-Reisebus können ausgedruckt werden und dann gefaltet werden - und so wird die Tour des "MobLab" auf einer Reihe von Bus-Papiermodellen nachvollziehbar.

Die immer mehr an Bedeutung zunehmenden "Digital Communities" werden ebenfalls mit einer Nica gewürdigt. Ausgezeichnet wurde "canal*ACCESSIBLE", eine Website, auf der behinderte Menschen mit Handy-Fotokameras Hindernisse in Barcelona aufnehmen und Information dazu online stellen. So entsteht ein Stadtplan für Rollstuhlfahrer.

"Abenteuer Arbeitsweg"

Die Linzer Alexander Niederklapfer, David und Magdalena Wurm sowie Ehrentraud Hager gewinnen mit der Animation "Abenteuer Arbeitsweg" den Jugendwettbewerb. Das Stipendium "the next idea" für Kreative unter 27, die mit dem Geld eine Idee umsetzen können, geht an den Inder Himanshu Khatri: Dieser will eine spezielle Flüssigkeit nützen, um in Behältnissen Luftblasen aufsteigen zu lassen, die wie LED-Bildschirme Schriftzüge zeigen können.

Die prämierten Arbeiten werden während des Festivals im O.K Centrum für Gegenwartskunst in Linz gezeigt. Als Dokumentation erscheint zum Festival das Package "CyberArts 2006", das aus einem Katalog sowie DVD und CD besteht. Das Festival Ars Electronica samt Wettbewerb wird von AEC, ORF Oberösterreich, Brucknerhaus Linz und O.K. veranstaltet. (APA)

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