Deutsche Börse blitzt bei Euronext ab

2. Juni 2006, 09:27
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Die Frankfurter haben im Übernahme-Duell mit der NYSE ihr Angebot aufgefettet - Euronext nennt das US-Angebot dennoch "attraktiver"

Paris/Amsterdam - Im Fusionspoker um die "Europa-Börse" Euronext behält die New York Stock Exchange (NSYE) vorerst die Nase vorn. Die Vierländerbörse lehnte am Dienstag kurz vor Beginn der Hauptversammlung auch das jüngste detaillierte Angebot der Deutschen Börse ab, das mit einem Volumen von 8,6 Milliarden Euro über das Offert der NYSE von acht Milliarden Euro liegt.

Das Offert der New York Stock Exchange sei attraktiver, erklärte Euronext dennoch. Der jüngste Vorschlag der Frankfurter sei praktisch der gleiche wie vorangegangene. Das Offert der Deutschen Börse bewerte die Euronext-Aktie mit 76,60 Euro, das von der NYSE vorgelegte Offert beläuft sich dagegen nur auf 70,80 Euro.

Wochenlange Brautschau

Die Deutsche Börse zudem erklärt, ihr Angebot umfasse auch eine Barkomponente von zwei Milliarden Euro. Man sei fest überzeugt, dass die Transaktion der attraktivste Zusammenschluss für Aktionäre, Kunden und die beteiligten Finanzzentren darstelle. Die Fusion soll über eine neue Gesellschaft NewCo realisiert werden, die den Aktionären von Deutscher Börse und Euronext ein Angebot unterbreitet. Die erwarteten Synergien bezifferte die Deutsche Börse auf 300 Millionen Euro jährlich.

Die Frankfurter werben seit Wochen um Euronext. Die in Paris ansässige Vierländerbörse hatte sich jedoch zurückhaltend gezeigt. Als Knackpunkte bei den Verhandlungen gelten der Sitz der Hauptverwaltung, der nach dem Vorschlag der Deutschen Börse in Frankfurt sein soll und die Zukunft des Wertpapierabwicklers Clearstream.

Formelle Empfehlung

Am Montag hatte die New York Stock Exchange ein Offert für Euronext vorgelegt, die der Aufsichtsrat der Vierländerbörse als derzeit "attraktivste Kombination" bezeichnete. Auf der Hauptversammlung sollten den Gesellschaftern aber zunächst beide Vorschläge vorlegt werden. Erst anschließend werde das Management eine formelle Empfehlung aussprechen.

Entscheidend bei dem Treffen der Euronext-Aktionäre in Amsterdam dürfte die Haltung einer Gruppe von Hedgefonds sein, die an Deutscher Börse und Euronext beteiligt sind und auf einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen drängen. Die Investoren um den britischen Hedgefonds TCI hatten im vergangenen Jahr eine Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange verhindert. Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, nahm darauf hin seinen Hut.

Durch einen Zusammenschluss von NYSE und Euronext würde mit einem Wert von 21 Milliarden Dollar (16,5 Mrd. Euro) die größte Handelsplattform der Welt entstehen. Die NYSE ist bereits jetzt die weltgrößte Börse. Sie steht jedoch unter Fusionsdruck, weil ihr US-Rivale Nasdaq mittlerweile mit mehr als 25 Prozent an der London Stock Exchange beteiligt ist. Von einem Zusammenschluss mit Euronext erhoffen sich die New Yorker nach eigenen Angaben Synergie-Effekte im Umfang von 293 Millionen Euro. (APA/AP)

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    Die Deutsche Börse stockte ihr Offert für die Euronext auf, zieht aber im Bieterkampf gegen die Nyse offenbar den Kürzeren.

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